„Im Online-Business ist es schwer, mit etwas zufrieden zu sein“ – Jobportal-Gründer Benjamin Hummel im Interview zum Online-Marketing-Arbeitsmarkt

Interview Online Marketing Arbeitsmarkt

Interview Online Marketing ArbeitsmarktDie Online-Marketing-Branche kann sich nicht beklagen: Für das laufende Geschäftsjahr 2016 prognostiziert PwC Online-Werbeumsätze von rund 6,5 Milliarden Euro. Wer hier erfolgreich mitmischen möchte, braucht gut ausgebildete und berufserfahrene Mitarbeiter. Doch wie begeistert man die? Was ist Webworkern heutzutage wichtig? Spannende Antworten birgt folgendes Interview mit dem Betreiber des Jobportals Online-Marketing-Jobs.de.

Benjamin HummelZur Person
Benjamin Hummel (34) weiß, worauf es beim Personal im Online-Marketing ankommt. Als Gründer und Geschäftsführer der cayona GmbH sammelt er bereits seit 2007 Expertise in den Bereichen Search, Conversion, Usability und Affiliate – und war für mehrere namhafte Unternehmen in diesen Bereichen tätig. Sein neustes Projekt konzentriert sich auf die Jobvermittlung im Online-Marketing-Sektor. Und das mit innovativen und ganzheitlichen Ansätzen.

Benjamin, was muss ein Arbeitgeber im Online-Marketing bieten, um gute Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu halten? Kostenlosen Kaffee?

Benjamin Hummel: Viel wichtiger als kostenloser Kaffee – was eigentlich Standard in jeder Firma sein sollte – sind aus meiner Sicht in erster Linie extrinsische Motivationsfaktoren. Dazu zählen insbesondere Belohnungen in Form von Bonuszahlungen, Umsatzbeteiligungen und/oder Freizeitausgleich. Neben diesen harten Faktoren, spielen natürlich auch weichere Faktoren, wie z.B. die tatsächlich gelebte Unternehmenskultur sowie die internen Hierarchien einer Firma eine wichtige Rolle.

Konferenz Weiterbildung
Weiterbildung hat enorme Priorität im Online-Marketing-Sektor: „Langfristig erfolgreiche Unternehmen sorgen dafür, dass die Mitarbeiter sich fortlaufend weiterentwickeln können“, verrät Benjamin Hummel.

Die Online-Branche unterliegt einem ständigen Wandel und erfordert eine stetige Anpassung und Reaktion an sich verändernde Rahmenbedingungen. Langfristig erfolgreiche Unternehmen sorgen deshalb dafür, dass die Mitarbeiter sich fortlaufend weiterentwickeln können, z.B. in Form von Seminaren, Workshops, Vorträgen oder auf Networking-Veranstaltungen, um wichtige Kontakte knüpfen zu können und sich über neue Entwicklungen und Trends auszutauschen. Genauso wichtig ist es im nächsten Schritt, das neue Wissen und die neuen Erkenntnisse und Kontakte in das Unternehmen einbringen zu können, d.h. konkret eine Austauschkultur im Unternehmen zu etablieren. Sinnvoller Input sollte dann auch konkret in die Tat umgesetzt werden. Hierdurch resultierende Erfolge führen zu zufriedenen Mitarbeitern, da ein jeder zum Erfolg des Unternehmens beitragen kann und sich wertgeschätzt fühlt. Man ist sozusagen „Unternehmer im Unternehmen“.

Ok, verstehe: Also man muss BWLer sein und Webers protestantischer Ethik fröhnen.

Benjamin Hummel: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Vielmehr geht es darum, dass Unternehmen den Mitarbeitern mehr Zeit und Raum für Fehler einräumen sollten. Hierdurch lernen die Mitarbeiter unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und ihr Handeln vermehrt wirtschaftlich im Sinne des Unternehmenserfolges auszurichten.

Gerade im Online-Marketing ist es wichtig, auch einmal neue, bisher unbekannte, Wege zu gehen und Dinge einfach mal auszuprobieren. Denn „wer nie was riskiert, kann nie scheitern. Und nie gewinnen.“ (Zitat Paul Mommertz, deutscher Schriftsteller, A.d.R.)

Ist die freiberufliche bzw. selbstständige Arbeit für Fachkräfte im Online-Marketing inzwischen nicht viel naheliegender als fünf von sieben Wochentagen im muffigen Büro zu hocken?

Benjamin Hummel: Aus meiner Sicht ein klares „Ja!“. Das ist aber natürlich sehr von der jeweiligen Person und den individuellen Vorlieben abhängig. Nicht jeder ist für die Selbständigkeit und Allem was dazugehört gemacht. In Gesprächen mit Angestellten aus der Branche hat sich gezeigt, dass viele das Angestellten-Dasein gerade aufgrund von geregeltem Urlaub, fixem Gehalt und festen Abläufen sehr zu schätzen wissen.

Aus Unternehmenssicht ergeben sich ebenfalls erhebliche Unterschiede, wenn eine offene Stelle mit angestellten oder externen Fachkräften besetzt wird. Für den Einsatz externer Fachkräfte spricht in jedem Fall der Ausschluss von Betriebsblindheit, die ausschließliche Vergütung erfüllter Aufträge (keine Fixkosten), produktives und selbständiges Arbeiten, flexible Einsatzmöglichkeiten, sowie i.d.R. ein fachlich hohes Kompetenzniveau, aufgrund der Mitarbeit in mehreren Unternehmen/Projekten.

Ihr habt mit Online-Marketing-Jobs.de ein Jobportal für Fachkräfte geschaffen. Wo liegen eure Alleinstellungsmerkmale?

Benjamin Hummel: Also…

  1. Wir bieten wichtige Such- und Filterfunktionen für die Jobsuchenden an, damit diese mit wenigen Klicks nur die in Frage kommenden Jobangebote angezeigt bekommen und sich nicht mühsam durch alle Anzeigen arbeiten müssen.
  2. Mit jeder geschalteten Jobanzeige wird automatisiert ein Unternehmensprofil auf Online-Marketing-Jobs.de angelegt, auf dem alle aktuell verfügbaren Jobs des Unternehmens angezeigt werden. Zusätzlich werden alle Links zu den Social-Media-Kanälen des Unternehmens hinterlegt, damit sich der Jobsuchenden vorab ein umfassendes Bild über das Unternehmen machen kann.
  3. Online-Marketing-Jobs.de ist für mobilen Traffic optimiert, da ein Großteil der User mittlerweile über das Smartphone recherchiert. Zudem werden alle Daten sicher SSL-verschlüsselt. Jetzt werden viele sagen – „das ist doch Standard heutzutage!“. Und damit haben sie absolut Recht. Leider ist es aber bei einigen Jobbörsen immer noch kein Standard, daher möchte ich es hier explizit erwähnen.
  4. Unternehmen können beim Einstellen ihrer Stellenanzeige auswählen, ob Bewerber sich optional via Xing und/oder Facebook auf die ausgeschriebene Stelle bewerben können. Gerade für Jobs im Social-Media ist das eine sehr interessante Alternative zur klassischen Bewerbung via Online-Formular oder Email.
  5. Wir investieren einen Teil unserer Einnahmen durch Stellenanzeigen in gezielte Werbemaßnahmen (regional und auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten) für einen individuellen Anzeigenerfolg.
  6. Qualifizierter Traffic kommt zusätzlich über Direct Type-Ins rein: online-marketing-jobs.de
  7. Neben den Jobanzeigen bieten wir eine im Netz einmalige, inhaltlich aufbereitete und recherchierte Studium-/Fortbildungsübersicht für den Bereich Online-Marketing an. Wie bereits vorhin erwähnt, ist die Fort-/Weiterbildung ein wesentlicher Bestandteil des Online-Marketings. Daher haben wir diesen Bereich als weiteren wichtigen Baustein für die Karriere im Online-Marketing integriert.

Eure Suchfunktion lädt ja ziemlich schnell…

Benjamin Hummel: Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut unseren Usern ein unvergessliches Surferlebnis auf Online-Marketing-Jobs.de zu bescheren. Hierzu gehören natürlich schnelle Suchergebnisse, egal wo sich der User gerade mit seinem Endgerät befindet.

Welche Segmente im Online-Marketing sind denn gerade besonders gefragt bei Bewerbern? Und welche nachgefragt bei den Arbeitgebern?

Benjamin Hummel: Aktuell besteht eine verstärkte Nachfrage nach Content-Marketing & Social Media Jobs. Obwohl beides definitiv keine neuen Disziplinen sind, gibt es einen erkennbaren Trend dahin, dass diese Aufgaben nun nicht mehr vom Allrounder „Online-Marketing-Manager/in“ verantwortet werden, sondern von Experten in einem Vollzeit-Job. Die Wichtigkeit dieser Bereiche ist mittlerweile bei den meisten Unternehmen angekommen.

Wie kann ein Jobsuchender herausfinden, ob ein Arbeitgeber hält, was er verspricht? Gerade die Marketingbranche ist ja gewisser Weise „bewandert“ im Beschönigen von Tatsachen.

OM Arbeitsmarkt Beschönigungstendenzen
Vorsicht: Beschönigungstendenzen! Inbesondere im Marketing lohnt es sich, zusätzliche Meinungen über Arbeitgeber einzuholen. Zum Beispiel auf einschlägigen Veranstaltungen.

Benjamin Hummel: Hier empfehle ich immer als erstes, sich die Social-Media-Profile des Unternehmens in Ruhe anzusehen. Häufig kann man hier schon einen guten ersten Eindruck über die Aktivitäten des Unternehmens bekommen. Zusätzlich kann man sich z.B. bei kununu die Bewertungen von anderen Mitarbeitern des Unternehmens durchlesen. Hier ist ein besonderes Feingefühl bei der individuellen Beurteilung der Bewertungen gefragt. Bewertungen können gefaked sein oder durch Absprachen unter unzufriedenen Kollegen absichtlich ins Über-Negative abdriften.

Am besten ist es, sich direkt mit einem Mitarbeiter des Unternehmens zu unterhalten. Die Informationen aus einem solchen Gespräch sind die wertvollsten. Auf Online-Marketing-Jobs.de haben wir daher auch den Bereich „Events“ ins Leben gerufen. Hier haben wir alle einschlägigen Online-Marketing-Veranstaltungen in DACH gelistet, bei denen das Networking einen großen Stellenwert hat. Auf solchen Veranstaltungen kann man sich optimal mit seiner „Wunschperson“ verabreden und sich in lockerer Atmosphäre austauschen.

Konzern, Agentur, Startup: Könnt ihr empfehlen, wann man sich in welche Richtung orientieren sollte?

Benjamin Hummel: Das ist ebenfalls sehr stark von den indidivuellen Vorlieben abhängig. Für einen Job im Konzern sprechen insbesondere geregelte Arbeitszeiten, Betriebsrenten sowie Jobsicherheit. Dafür muss man dann i.d.R. lange sowie komplizierte Kommunikations- und Entscheidungswege, sowie stark ausgeprägte Hierarchien in Kauf nehmen.

Das Agentur-Business ist vor allem für solche Marketer geeignet, die besonders belastbar sind und die Überstunden und toughen Deadlines mit einem Lächeln begegnen. Agentur-Jobs bieten sich vor allem für Job-Einsteiger an, da man hier in sehr kurzer Zeit Einblicke in die verschiedenste Online-Marketing-Bereiche bekommt und viele Kontakte knüpfen kann.

Das Startup ist vor allem für „Macher“ interessant. Hier gibt es keine oder wenig Hierarchien. Eigene Anstrengungen zeigen i.d.R. sofortige und direkte Erfolge. Startup-Jobs locken meist Jobanfänger an, da die Gehälter – sofern keine Investoren an Bord sind- meist relativ gering sind. Interessant sind hier Umsatzbeteiligungen, sofern man einen direkten Einfluss auf die Ergebnisse hat.

Für viele „Webworker“ vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht irgendein Headhunter attraktivere Jobalternativen verspricht. Schürt dieser „Abwerbe-Terror“ nicht auch Unzufriedenheiten, die sonst vielleicht gar nicht aufkeimen würden?

Benjamin Hummel: Auch das ist wieder sehr unterschiedlich von Person zu Person. Während manche nur darauf warten, wöchentlich ein noch besseres Angebot reinzubekommen, wird es andere wiederum einfach nur nerven – zumal die Angebote häufig thematisch oder regional gar nicht passen. Im schnelllebigen Online-Business ist es schwer, mit etwas zufrieden zu sein – es geht nämlich immer noch mehr und immer noch ein bisschen besser. Da liegt es dann an einem selbst die eigenen erreichbaren Ziele und die damit verbundene Zufriedenheit für sich selbst zu definieren.

„Muss nur noch kurz die Mails checken“ – der Song trifft wohl den Zeitgeist. Muss der moderne Berufstätigte rund um die Uhr erreichbar sein und immer schnell reagieren? Wird das von guten Arbeitgebern erwartet oder setzt man sich da selbst am meisten unter Druck?

Benjamin Hummel: Rund um die Uhr erreichbar zu sein bzw. das von den Mitarbeitern zu erwarten, hat meiner Meinung nach weder etwas mit „modern“ noch etwas mit „guten Arbeitgebern“ zu tun. Eine dringend notwendige Erreichbarkeit ist im Einzelfall sehr von der jeweiligen Position bzw. von der jeweiligen Situation abhängig.

Arbeitsmarkt Mails checken
Wer mehrmals täglich den Briefkasten checkt, gilt normalerweise schon als verhaltensauffällig bis zwanghaft. Nicht so im Online-Business. Benjamin Hummel macht deutlich: „Eine Begleiterscheinung der Arbeit im Online-Business ist, dass sie wohl niemals ausgehen wird.“

Ich denke aber, dass sich ein Großteil der Fachkräfte im Online-Marketing den Druck der ständigen Erreichbarkeit selbst auferlegt. Dass sich das digitale Business von jedem Ort dieser Welt aus via Internet steuern lässt, begünstigt diesen Druck natürlich. So kann es schon mal passieren, dass nicht nur die Geschäfts-Email liegend aus der Hängematte im Karibik-Urlaub geschrieben wird, sondern auch gleichzeitig die KPIs der aktuellen SEA-Kampagne eines Kunden gecheckt und Budgets für besonders performante Kampagnen im Urlaub nachgeschoben werden. Die Entscheidung eine Email nach 20 Uhr zu beantworten oder nach Feierabend ein Telefonat auf dem Geschäftshandy entgegenzunehmen trifft letztendlich jeder selbst. Ernsthafte Konsequenzen bei Nichtannahme eines geschäftlichen Telefonats in den Abendstunden sind ohnehin nicht für den Arbeitnehmer zu erwarten.

Eine Begleiterscheinung der Arbeit im Online-Business ist, dass sie wohl niemals ausgehen wird. Mit dieser Gewissheit und der Einsicht, dass wir alle im Job zu 100% ersetzbar sind, fällt es zunehmend leichter, das Geschäftshandy nach 20 Uhr auch mal in den Offline-Modus zu versetzen und sich den Dingen zu widmen, die es neben der Arbeit noch so gibt. Das kann Frau, Familie, Hund, Hamster oder auch der Gang in die Kneipe sein, um sich dort mit den Kollegen auf ein Bier zu treffen und über die Arbeit zu sprechen.

Ich kenne einige Kollegen, die verstärkt die Sinnfrage stellen und längst nicht alles vermarkten würden. Ist das nur eine Blase oder sollten mehr Arbeitgeber dem gerecht werden und auf nachhaltige und ethische Produkte, Dienstleistungen und Kundenstrukturen setzen?

Benjamin Hummel: Ein solch ethisch nachhaltiger Ansatz ist durchaus wünschens- und lobenswert – in der Praxis aber leider immer noch viel zu selten anzutreffen. Aus Unternehmenssicht spielen häufig monetäre Ziele den ethischen eine übergeordnete Rolle. Die Hemmschwelle bezüglich der Sinnfrage ist von Fachkraft zu Fachkraft ebenfalls unterschiedlich ausgeprägt und wird durch monetäre Anreize meist schnell überwunden.

So lange es diese Angebote (Jobs) und die zugehörige Nachfrage (Mitarbeiter) geben wird, wird es leider auch weiterhin Produkte und/oder Dienstleistungen geben, die weder ethisch korrekt noch nachhaltig sind. Auch der Verbraucher hat bei diesen Konstellationen meist nur bedingt Einfluss, da es in der Regel Produkte bzw. Dienstleistungen sind, die mit der Not oder der Unwissenheit der Bedürftigen spielen (z.B. Kredite ohne Schufa für bereits Verschuldete). Hier wäre eine externe und unabhängige Prüfstelle sinnvoll, die Ethiksiegel nach vorher fest definierten Kriterien an Unternehmen vergibt und mit denen diese dann – z.B. in Ihren Stellenausschreibungen – werben können. So könnte man langfristig ein Bewusstsein der Fachkräfte für ethisch fragwürdige Produkte und Dienstleistungen schaffen und beide Parteien zum Umdenken bewegen.

Hand aufs Herz, laufen ein Großteil der exklusiven Stellenvergaben nicht über Vitamin B?

Benjamin Hummel: Ein klares „Ja“. Sobald man sich ein stabiles Netzwerk aus erfahrenen Online-Marketern über die Jahre hinweg aufgebaut hat, wird es zunehmend einfacher seinen Wunschjob aufgrund von Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk zu besetzen. Vorausgesetzt natürlich, man pflegt eine nachhaltige und professionelle Arbeitsweise und ist fachlich auf einem aktuellen Stand – und das nicht nur in der Theorie.

Die zu besetzenden Stellen werden – unabhängig des Vitam B’s – insbesondere aus Reichweite- und Reputationsgründen auf den einschlägigen Jobportalen eingestellt. Man möchte in aller Regel möglichst viele qualifizierte und passende Fachkräfte ansprechen – sofern es der Bewerbungsprozess in zeitlicher, personeller und finanzieller Hinsicht zulässt. Eine Empfehlung über Vitamin B ist da natürlich ein klarer „Bewerbungs-Boost“ und kann die Türen zum gewünschten Unternehmen schnell(er) und einfach(er) öffnen.

Im Silicon Valley scheint es ja nicht nur Google und Facebook zu geben, die regelmäßig neue „disruptive technologies“ gebären. Wann machen Roboter unsere Jobs?

Benjamin Hummel: Nehmen wir als Beispiel aus dem Silicon Valley einmal Uber. Nach nur 5 Jahren ist das Unternehmen bereits mit knapp 50 Mrd. US$ bewertet worden. Uber hat erst Anfang diesen Jahres über 40 hochspezialisierte Roboter-Wissenschaftler abgeworben um den Bereich „selbstfahrende Autos“ weiter voranzutreiben. Nach aktuellem Stand wird es aber vermutlich noch einige Jahre dauern, bis wir einen Teil unserer bisherigen Tätigkeiten vertrauensvoll an die Platinen der Roboter abgeben können. Ich gehe allerdings davon aus, dass auch in Zukunft menschliches Zutun nicht vollständig ersetzt werden kann. Und wenn es nur darum geht, die Roboter zu bedienen. Ich sehe es allgemein als großes Privileg unserer Generation an, diesen Wandel miterleben und gestalten zu dürfen.

Bis ihr also die Jobsuche für Roboter übernehmt vergeht noch ein Weilchen. Habt ihr abschließende Tipps für den Bewerber von heute? Was gehört zu einer „zeitgemäßen“ Bewerbung?

Benjamin Hummel: Aus meiner Sicht sind zwei Dinge besonders wichtig für Bewerber: 1) Authentizität und 2) Authentizität. Hier bringe ich gerne einen Vergleich aus dem Bereich Search an. Es bringt nichts einen tollen Anzeigentext zu formulieren, der zwar viele Klicks generiert, aber nicht zum Abschluss konvertiert, da der User nicht das vorfindet, was er bei Klick auf die Anzeige versprochen bekommen hat.

Arbeitsmarkt Online Authentizität
Benjamin Hummel bringt es auf den Punkt: Eine Bewerbung sollte vorallem authentisch sein. Ecken und Kanten sind durchaus erlaubt. Früher oder später fallen diese sowieso auf.

Im Klartext heißt das, sich als Bewerber nicht als etwas zu verkaufen was man nicht ist und was man nicht kann, nur um vermeintlich perfekt auf eine Stellenbeschreibung zu passen. Seid ehrlich und überzeugt durch belegbare Fakten, die einen konkreten Mehrwert für das Unternehmen bieten, bei dem ihr euch bewerbt. Das können insbesondere sein: Fort-/Weiterbildungen, Teilnahme an Messen, Konferenzen, erfolgreich abgewickelte Projekte sowie positive Feedbacks von bekannten Kunden oder Influencern.

Noch ein kleiner Tipp zum Abschluss: Besonders gerne gesehen ist im Online-Business eine eigene Webseite oder ein eigener Feed, z.B. in Form eines Blogs oder als Gruppenmoderator eines Fachbereiches. Auch hier gilt: bitte nur erwähnen bzw. besonders hervorheben, wenn es zu der ausgeschriebenen Stelle auch wirklich passt.

Lieber Benjamin, vielen Dank für Rede und Antwort!

Danke an die Fotolia-Fotografen: Robert Kneschke, Thaut Images, Igor Stevanovic, Viktor Cap 2013 und julief514

Online Marketing Konferenz 2016 – Praxistag im Tempel der Theorie

OMK 2016 Recap

OMK 2016 RecapWir befinden uns im Herbst 2016. Der ganze Lüneburger Uni-Campus frönt der vorlesungsfreien Zeit. Der ganze Campus? Nein! Drei Hörsäle wurden am 29.09. Austragungsort der „Online-Marketing-Konferenz 2016 – Theorie trifft Praxis“. Und selbst wer diese Veranstaltung schon in den Vorjahren mit neuen Denkanstößen verlassen hatte, konnte dieses Jahr dazulernen. Denn die Liste der Referenten war mehr denn je gespickt mit anerkannten Spezialisten.

„Das zu denken ist das schwierige, nicht das zu machen“ – Die Keynote über „Programmatic Creativity“

In der eröffnenden Keynote wandte sich der eloquente Facebook-Mann Oliver Busch an alle „die transformieren wollen und nicht transformiert werden wollen“. Die vierte industrielle Revolution habe begonnen. Das Smartphone als disruptive – also unterbrechende bzw. ablösende – Technologie, wäre bereits bei 80 % des TV-Publikums während Werbeunterbrechungen im Einsatz und stelle die noch vorhandene Wirkung von TV-Werbung zunehmend in Frage. Und wer sich das nicht rechtzeitig bewusst mache, würde Gefahr laufen schnell abgehängt zu werden. Der jahrelang dominierende Riese Neckermann habe kurz vor seiner Insolvenz noch verzweifelt ein hilfloses „.de“ ans Gebäude gehängt. Wer dieses Schicksal nicht teilen möchte, müsse jetzt Gas geben.

OMK 2016 Recap: SEO-dienliche Werbeunterbrechnung

Diese Box macht keinen Sinn. Sie separiert die zu SEO-Zwecken prominent platziert und genutzten Phrasen OMK 2016 Recap, OMK Berichte, OMK Impressionen, OMK Rückblick und Online Marketing Konferenz Recap, damit diese den Text nicht sprengen oder unnötig verwässern.
Wenn Sie diese Box entfernen möchten, verlinken Sie dieses Recap einfach mit hartem Linktext von einer Uni-Domain Ihrer Wahl.

„No relevance – no chance“: Relevanz mit Daten schaffen

OMK Busch FacebookDiese „datengetriebene Revolution“ wecke auch neue Begehrlichkeiten bei bisher weniger unbeteiligten Branchen: Auditoren etwa, Management-Beratungen, aber auch Softwarehersteller würden sich verstärkt auf das Segment der Digital-Werbung konzentrieren. Das Thema liege laut Busch „in der Mitte vom Tisch“. Denn mit der Masse an Informationen ließen sich ganz neue, stark individualisierte Werbemodelle verwirklichen: Mehrere Varianten des gleichen Werbespots, angepasst und ausgeliefert an die jeweils passende Zielgruppe. Und das jeweils noch in mehreren Etappen: Zunächst rein emotionale Werbung ohne Produktbezug zur Schaffung von „Awareness“, dann das Lancieren passender Produkte der Marke, um zuletzt direkte Kaufimpluse auszusenden, was bei Busch „Marsch Marsch, kaufen“ heißt.

Zwar wisse man als Werbetreibender in Europa inzwischen noch nicht unbedingt, welches Auto die Zielperson fahre (in USA sei das längst bekannt), aber die sozio-demografischen Personenprofile seien bei Profis längst durch neue Cluster ersetzt: Viel besser funktioniere ein Denken in Kategorien wie „Kitchy Mainstream“ und „Fun Hunter“, aber auch „Ying Yangers“. Jetzt sei es die Herausforderung „Data und große Kreation zusammenkriegen“, also die technischen Variationsmöglichkeiten mit inhaltlichen Ideen zu kombinieren.

Während ich noch Orwell’schen Gedankengängen rund um Einsatzmöglichkeiten dieser Hochleistungswerbung etwa im Wahlkampf erliege (Das perfekte „Panel-Setting“ für den latenten Flüchtlingsgegner), beschwört Busch zuletzt noch die „Energie des Wollens“: Die aktuell in diesem Bereich hervorstechend erfolgreichen Unternehmen würden ihm durch Führungspersonal mit klaren und unerschütterlichen Straight-Forward-Visionen auffallen.

Notiere: Skrupel schaden dem Geschäft.

Anke Prost hat „SEO-Standards erfolgreich neu gedacht“

Um 15 Millionen von Google indexierte URL‘s muss sich Anke Probst mit Ihrem SEO-Team bei Xing kümmern, den meisten Traffic ziehe das Portal dabei aus dem Longtail der Personensuchen. Im Vortrag ging es aber hauptsächlich um neue Denkansätze: Zu oft würden sich eingeübte Prozesse versteifen, wenn es erstmal laufe, anstelle Probleme auch mal völlig neu anzugehen. Dabei ließen sich die meisten Herausforderungen von Inhouse-Kräften meist auf mangelnde Ressourcen und unrealistische Erwartungshaltung durch die Chefetage reduzieren.

Probst habe sich deshalb auf eine sinnvolle Strukturierung der Rahmenbedingungen konzentriert: Nach vielen Gesprächen mit allen Abteilungen seien es letztlich einfache Post-It’s gewesen, auf denen sie die einzelnen Facetten und Probleme festgehalten habe. Denn Standardlösungen aus Internet-Ratgebern hätten oft nur begrenze Anwendbarkeit: „Es kann sein, dass andere Seiten diese Herausforderungen gar nicht haben“.

Bei jedem neuen Thema habe es sich sodann als hilfreich erwiesen, alle damit irgendwie in Verbindung stehenden Informationen zusammenzubringen, um Synergien zu entwickeln und SEO-Maßnahmen mit Vorteilen für anderen Abteilungen zu koppeln. Und wenn bei Xing etwa Servicekräfte weniger verzweifelte Fragestellungen rund um zu langsam indexierte Personenprofile bearbeiten müssen und sich damit eine auch sonst SEO-dienliche Überarbeitung aller Sitemaps verbinden lässt, freut das natürlich auch den Controller.

„Ist jetzt komisch, aber selbst ich habe ein Linked-In-Profil“

Auch interessant: Wer wie Xing in Bildersuche- und boxen am Konkurrenten vorbei möchte, setzt auf Schema.org-Verknüpfungen zu hochauflösenden Bildvarianten. Und sperrt dabei auch gleich die lästigen, aber stupiden Content-Scraper aus.

„Die meisten SEO’s sind ja Quereinsteiger, die kennen die richtigen Wörter einfach nicht“ – Jens Fauldrath in gewohnter Form

OMK 2016 RückblickLiebe Shop-Betreiber, ein s****** Produkt bleibt ein s****** Produkt. SEO-Koryphäe Fauldrath konstatiert für SEO: „80 % des Wachstums hängt vom Produkt ab, 20 % von der Umsetzung“. Doch auch wenn das Produkt über Qualität verfüge gelte es erst einmal grundsätzlich zu bedenken, dass „Google will, dass Nutzer finden was sie suchen“. „Denken Sie, was dieser Mensch (der Suchende) möchte“, während es weiter darum gehe „Auffindbarkeit und Nutzbarkeit von Informationen zu unterstützen“.

Das beginne schon bei Konsistenz in der Kommunikation: Die Aussagen in Suchergebnissen und Seiteninhalt müssten sich decken und wiedererkannt werden können. „Warum steht da nichts in der Überschrift? Wo ist die Überschrift überhaupt?“ Diesmal war es der Webshop von Otto.de, der dem Kritiken-Bombardement von Fauldrath anhand vieler Beispiele ausgesetzt wurde.

„Das hat man schon vor 2000 Jahren in Alexandria gemacht, Google hat es nur in Code gegossen“

In den USA sei die zentrale Relevanz von Informationsarchitektur schon viel etablierter. Doch „in Deutschland ist das Thema IA in den Händen der Designer, die können alles, nur nicht IA!“. Der Nutzer müsse sich kurzerhand orientieren können und förmlich spüren, wie weit er von der Information entfernt ist, die er sucht. Warum manche Shops oder Magazine immer noch mit „vorherigen“ oder „nachfolgenden“ Artikeln arbeiten, sei Fauldrath ein Rätsel, schließlich helfe dies dem Suchenden in keinster Weise weiter. Viele Angebote würden einem digitalen Wühltisch ohne Konzept gleichen.

Eine ideale Shop-Landingpage sei wie ein Verkaufsgespräch aufgebaut, würde Produktseiten und Ratgeber mit geschicktem Einsatz von Filtern kombinieren, erstlinig beliebte und nachgefragte Produkte auflisten und verlinken, Bewertungen passend einbinden.

„Musik“ auf #1 = 2,16 EUR Adsense-Umsatz im Monat

OMK 2016 RecapBesonders zwischen den Zeilen lohnte es sich ganz genau hinzuhören: Großes Nutzerkommentaraufkommen würde Platz 1-Rankings felsenfest machen und auch sonst den Longtail maximieren. Es mache keinen Sinn ständig neue URLs zu erstellen, da auch die URL-History aufs Ranking einzahle – außerdem würden auch Texte altern, Aussagen müssten regelmäßig überprüft werden, um den Leser nicht mit offensichtlichen Fehlaussagen vor den Kopf zu stoßen. Und wer denke, mit beispielsweise „Musik“ auf Suchergebnisplatz #1 monetarisierbaren Traffic zu erhalten, der irre: In der Longtail-Conversion liege oft weit mehr Potential.

Was Content-Marketing mit Inneneinrichtung zutun hat

„Content-Marketing“ hat auch nach drei Jahren Buzzword-Branchenmeisterschaft immer noch längst nicht jeder so richtig verstanden. Im kreativen Schwarz woben Anne Hillmann und Adrienne Becker daher eine Analogie zum Hausbau. Die richtige Strategie sei dabei das Fundament, die einzelnen Marketing-Disziplinen entsprächen folglich den Zimmern des Hauses, wobei nicht jeder den gleichen Grundriss vorsähe. Sprich: Ein kinderloses Karrieristen-Ehepaar baut sein Haus wahrscheinlich anders als die Patchwork-Hippie-Kommune, ebenso setzt sich das Content-Marketing bei einem Unfair-trade-Modekonzern anders zusammen, als bei einem Scheidungsrecht-Affiliate oder einem Shop für Wurfzelte. Grundsätzlich gelte aber: „Wenn ich einen Klempner bestelle, ist es billiger, wenn er einmal für gleich zwei Zimmer kommt.“

Bei der Art des Contents unterschieden Becker und Hillmann zwischen „Hygiene-Content“, der Basisinformationen wie How-To’s enthalte und eher über Pull-Kanäle wie SEO funktioniere, „Hub-Content“, der Nutzer über Push-Kanäle inspiriere und unterhalte, mit Trends, Serien und Saisonalem, sowie „Hero-Content“, der umfangreiche Aktionen und „Big Moments“ umfasse: große Gewinnspiele, Kooperationen mit Influencern, Jubiläen-Spezials.

Vermutlich ist Content-Marketing von sozialem Wohnungsbau so weit entfernt, wie Donald Trump von Subsistenzwirtschaft. Denn die web-netz-Visionärinnen stellen im wahrsten Wortsinn die „Schlüsselfrage“: Wer soll da später einziehen? Wie finden sich die richtigen Käufer? Ohne adäquate Zielgruppenanalyse könne das Bauprojekt schnell ins Leere laufen. Und wie schon der Facebook-Abgesandte Busch predigte: Klassische sozio-demografische Zielgruppen seien nicht genau genug. Becker und Hillmann zeigen dies am Beispiel von Prinz Charles und Ozzy Osbourne: Der gleiche grundlegende Datensatz (Geburtsdatum, Herkunft etc.), völlig unterschiedliche Gemüter. Besser verhalte es sich da mit der Erstellung komplexer Personas.

Für die weitere Konzeption der Content-Marketing-Kampagne stellten die Referentinnen schließlich verschiedene Kreativtechniken vor: Kopfstandmethode, 6-3-5-Methode, Walt Disney Technik. Wie man letztlich ganz unterschiedliche Häuser je nach Zielgruppe baut, machten Becker und Hillmann beispielhaft anhand der Always-Kampagne „RunLikeAGirl“ und dem Regionalmarketing für Tirol deutlich.

Artikel mit Verweildauer von 70 Minuten Lesezeit

Bei Heiko Stammel konnte der Zuhörer einen tiefen Einblick in die Relaunch-Erfahrungen mit großen Verlagsportalen wie Welt.de und N24.de bekommen. Der Vertreter des Axel-Springer-Verlags machte deutlich, dass SEO-Perfektion in einem von vielen Stakeholdern bestimmten Umfeld an ein Ding der Unmöglichkeit grenze. Vielmehr müsse man sich pragmatisch fragen: „Ist das Go-Live-kritisch?“.

N24.de werde zum 01.01.2017 abgeschaltet und migriert. Dabei würden jedoch nur 10.000 Seiten einen Traffic-relevanten Teil der 600.000-Unterseiten starken Webseite darstellen. Spannend: Bei Nachrichtenseiten ist demnach selbst das Pareto-Prinzip noch zu hoch gegriffen.

Stolz konnte Stammel verkündigen, dass man bei der inzwischen SSL-zertifizierten Welt.de im Zuge des Relaunches Ladezeiten von nahezu einer Sekunde realisiert bekommen habe und somit zur „schnellsten Nachrichtenseite Deutschland“ geworden sei.

Wie bei Fauldrath waren es besonders die Anekdoten, die Heiko Stammels Vortrag zu einem Hörvergnügen werden ließen. Man sei auf Artikel mit 70 Minuten Lesezeit gestoßen: Denn eine australische Redaktion habe alle Nachrichten einfach auf einer identischen URL hintereinander weg gespielt, die immerzu gewachsen sei. Die Leser hat das offenbar nicht gestört.

„Wir sind einer der wenigen Fußballvereine, die deutschlandweit funktionieren – auch ohne Erfolg“

OMK 2016 RecapMartin Drust verantwortet das Marketing für den FC St. Pauli. Und nicht nur seine Präsentation viel erfrischend unorthodox auf. Der Fußballklub habe vor Jahren die erste Stationordnung mit politisch linker Haltung eingeführt, ein „ständiger Fanausschuss“ beeinflusse die Management-Entscheidungen bis heute. Sponsoren würden aktiv nach Werten ausgesucht und die Anzahl der Sponsoringverträge werde überdies bewusst verknappt, denn der FC St. Pauli verstehe sich als Verein, in dem „Werte kein Festgeldkonto brauchen“.

„Fans, keine Kunden“

Drust machte keinen Hehl daraus, dass Kritiker den Verein gerne mal als „Modelabel mit Betriebssportabteilung“ oder „FC Ed Hardy“ titulierten. „Wir können nichts dafür, dass wir so erfolgreich Merchandising machen“, verteidigt der Hamburger, man sehe sich als Wertegemeinschaft mit der Phantasie, vom „Fußballverein zum Medium“ zu werden.

Man setze auf Betapartner statt Medienpartner, um auch technologisch am Zahn der Zeit zu bleiben, konzentriere sich auf Social Media Broadcasting und spiele gern mit Satire, nehme sich selbst nicht zu ernst. Das Video einer vor Ironie schreienden Pressekonferenz verdeutlichte diese Vorgehensweise und sorgte für viele grinsende Gesichter – auch beim ein oder anderen anwesenden HSV-Fan.

Résumé: Gewohnt solide

OMK RecapEs ist besonders der Facettenreichtum, der die Online Marketing Konferenz Lüneburg ausmacht. Das wurde bei der diesjährigen Veranstaltung wieder einmal deutlich. Durch inzwischen drei parallele Vorträge lassen sich dennoch inhaltliche Schwerpunkte und Interessen verfolgen. Gerade im Bereich SEO gab es da dieses Jahr eine breite Auswahl, sehr schön!

Danke an die web-netz GmbH für ein super kurzfristig noch verfügbar gemachtes Ticket … für eine reibungslose Organisation, tolles Catering, gute neue Ideen wie den Shuttleservice und eine atmosphärische Abendveranstaltung.

P.S: Für das tolle Bildmaterial zeichnet sich ebenfalls web-netz verantwortlich. Mit deren Kamera- und Fotografiekünsten kann ich nicht mithalten! 😉

Weitere Recaps zur Online Marketing Konferenz 2016

Sonst noch was?

OM finCon 2016 in Berlin: Der neue Herr Kaiser ist ein digitaler Robo Sapiens

OMfinCon 2016

Omfincon Recap

Anfang Juni 2016 wurde das Palais in der stilvollen Berliner Kulturbrauerei Schauplatz der Online Marketing Finance Conference von financeAds, einem Affiliatenetzwerk im Finanzsektor. Und die Veranstalter hatten nicht zuviel versprochen: Die Vorträge waren größtenteils spannend, der Austausch mit Publishern und Advertisern polarisierend und interessant.

Obgleich mein Schwerpunkt als Publisher nicht im Finanzbereich liegt, nutzte ich die Gelegenheit, um mit zwei engen Bekannten einen „Bildungsausflug“ nach Berlin zu unternehmen und mich etwas mit der Szene auseinander zu setzen. Eine handvoll Vorträge möchte ich nun inhaltlich wiedergeben:

SEO 2016: Wo geht die Reise hin? Und wie trete ich die Reise an?

Nicolas Sacotte gehört zu den alten Hasen in der SEO-Szene, weshalb uns seine beiden Vorträge besonders interessierten. Gut strukturiert und routiniert brachte er die aktuellen Themen rund um SEO auf den Punkt.

Die Zeiten hätten sich geändert: Expertencontent sei das A und O. Anstelle Zielgruppen anzusteuern, solle man besser in „Bedarfsgruppen“ denken und statt KPI’s wie Unique Users wäre die Customer Journey auch aus SEO-Sicht inzwischen viel relevanter geworden.

Kurzfristige Strategien hätten nicht länger Erfolg, viel mehr müsse man sich auf langfristige SEO-Projekte einstellen, denn Linkbuying würde zunehmend durch Linkearning abgelöst. Die „Contenthistorie mit Besuchern“ wäre ein denkbarer neuer Rankingfaktor, sei es doch viel plausibler, dass ein Inhalt erst nach einer gewissen Zeit aufgegriffen und verlinkt würde – die alten Methoden, in denen man Content publiziere und umgehend mehrere Links dorthin organisiere, seien hinfällig geworden. Links mit relativer Klickwahrscheinlichkeit seien heute viel wertvoller. „Realness“ besteche.

Links seien in hochkompetativen Umfeldern aber immernoch ein wichtiger Rankingfaktor. „Premium Content“ an sich reiche eben doch nicht, erinnerte Sacotte in Hinblick auf einige SEOs, die Links in den letzten Monaten für tot erklärt hatten. Die Rede war auch vom „Content-Shock“, da immer mehr Publisher in Contentproduktion investieren würden und die Verdrängung durch Wettbewerb und aber auch durch Spammer gerade beachtlich sei. Gerade deshalb müsse „jeder Content ein Alleinstellungsmerkmal haben“, den tausendsten Lexikon-Artikel zu einem Thema könne man sich getrost sparen.

Omfincon Recap

Google-Rankings: „Volatiler und schnelldrehender“

Google werde durch BrainRank, Knowledgegraph, Antwort- und Newsboxen immer rasanter zur „Findemaschine“. Sacotte erinnerte an „Google Dance“, jene Monate, in denen die Google-Rankings wie eingefroren wirkten. Das sei heute definitiv anders: Google Rankings würden zunehmend volatiler und schnelldrehender.

Technisch wären inbesondere die Umstellung auf https per SSL-Zertifikat und der Einsatz von Accelerated Mobile Pages (AMP) in Googles Sinn. Doch im großen Rahmen passiere noch viel mehr: Userverhalten verlagere sich zunehmend in den Longtail. Type-In-Searches würden immer Ranking-relevanter, weshalb Markenbildung eine aktuell so wesentliche Rolle spiele. Und auch die Suchterme selbst würden sich ändern, weshalb Publisher auch Jugendsprache und konkrete Fragenstellungen berücksichtigen sollten. Das Phänomen „Second Screen“ liefere weitere Anlaufstellen für kurzfristiges Keywordtargeting.

Sacotte machte deutlich, dass alternative Suchsysteme zu Google ins Visir genommen werden müssten: „Auch ein Forum hat einen Suchschlitz“. Youtube als zweitgrößte Suchmaschine wäre ebenfalls eine wichtige Plattform und selbst Amazon diene vielen als Suchmaschine. Am Beispiel der Suchphrase „Ich habe Hunger“ zeigte Sacotte eindrucksvoll, wie nutzerunfreundlich Treffer in Google heute mitunter sein können, wohingegen Software wie Siri den Nutzer viel sinnvoller bediene.

„Gier frisst Hirn“: Nachhaltigkeitsgedanke auch im SEO relevant

Im Ausblick gab Sacotte zu bedenken, dass SEO immer weniger skalierbar werde, da Automatisierung von Content und Links nicht mehr zeitgemäß seien. Zudem werde die Contenterstellung zeitintensiver und erfordere immer öfter agile Redaktionen, die auch kurzfristig produzieren könnten.

SEO bleibe weiterhin ein gutes Investment in die Zukunft, denn guter Content werde nicht nur gefunden, sondern auch geteilt, beispielsweise von Journalisten. Dabei sei eine Format-Diversifikation hin zu innovativen Formaten zu beobachten: Von Podcasts, über Videos bis hin zu Offlineevents, bei denen gezielt Presse eingeladen werde. Man solle „Daten nutzen, die sonst keiner hat“, um eigene Forschungen anzustoßen und Studien zu veröffentlichen. Dann sei vorallem Geduld essentiell, denn zwischen Aktion und Reaktionen verstreiche mitunter viel Zeit.

In einer Anekdote schilderte der Vortragende Erfahrungen aus einem betreuten Content-Marketing-Projekt, in dessen Verlauf eine Karte mit Domainendungen erstellt und zum Verkauf angeboten wurde. Der Coup lag in kostenfreien Produktvarianten, für all jene, die sich mit einer Berichterstattung revangierten. Zudem wurden Teile der Produkterlöse an eine gemeinnützige Organisation gespendet, was in zusätzlicher PR mündete.

„Mehr Daten ermöglichen den Suchdiensten immer bessere Analysemöglichkeiten“, zudem schreite künstliche Intelligenz in Form von Machine Learning weiter voran. Sacotte schloss mit einer Zukunftsvision, in denen Nutzer gar keine Suchen mehr aktiv formulieren würden: Denn die Technik wisse inzwischen, in welchem Muster man was wann tue.

„Wir haben immer weniger Zeit für immer mehr Inhalte“

Jan Stranghöner nahm diesen Ball in seinem Facebook-Vortrag auf, indem er zu bedenken gab, dass Mikrophone in Smartphones nichts zwangsweise ausgeschaltet seien, würde man sie nicht benutzen. Dann erklärte er, Facebook Ads sei die mächtigste Marktforschungsmaschine, die es aktuell gäbe. Er gab mit einem soliden Präsentationsstil Einblicke in die Möglichkeiten des Zielgruppen-Targeting, in denen es schon Eingrenzungskriterien wie „hat vermutlich eine eigene Wohnung“ gäbe. Audience Insides böten zudem die Möglichkeit, sogenannte „Lookalike Audiences“ zu erstellen, in denen signifikante Ähnlichkeitsmuster bei Zielgruppen strukturiert werden können, um auf Basis bestehender Nutzermerkmale potentielle Neukunden zu erkennen. Inzwischen gäbe es sogar schon einen regen Handel um diese Persönlichkeitsprofile. Und es gab noch einen Tipp an Werbetreibende: Lieber keine Werbung zur Monatsmitte auf mobilen Endgeräten schalten: da sei das Datenvolumen im großen Stil erschöpft.

3000 Euro für ein „Instagram“

Omfincon Recap

Ulrich Bartholomäus machte als Nächstes deutlich, warum er sich auf Influencer Marketing spezialisiert habe: „89 Prozent aller E-Commerce-Kaufentscheidungen basieren auf Empfehlungen von vertrauten Personen“, zitierte er eine Statista-Erhebung. Tatsächlich betreibe seine Firma addfame eine Art Handel mit Empfehlungen von Prominenten in Social-Media. Eine Software berechne, welchem Prominenten die jeweilige Zielgruppe zugetan wäre. Dann würde auf dessen Profil eine Werbebotschaft eingebunden, für die der Endkunde bezahle. 1500 EUR berechne man dabei beispielsweise für einen Facebook-Beitrag von gewisser Reichweite, 3000 EUR für ein Instagram-Posting.

Ich hatte auf einer anderen Konferenz bereits gehört, dass z. B. der US-amerikanische Rapper Puff Daddy Twitter-Nachrichten „verkaufe“, aber eine derartige Professionalität in Deutschland war mir neu.

„13.000 Werbebotschaften prasseln pro Tag auf den Menschen ein“

Auch Florian Frech betonte: „Influencer-Marketing ist Mitte 2015 so richtig in Deutschland angekommen“ und mit einem Augenzwinkern: „Snapchat ist das Big Brother der neuen Zeit“. Während die Werbung in ihrer ersten Phase eine Aufklärungsfunktion hatte, kam die „Verführung“ hinzu. In der heutigen dritten Phase ginge es vorallem um Vertrauen und Aufmerksamkeit. „13.000 Werbebotschaften prasseln pro Tag auf den Menschen ein“, „Mundprogpaganda war schon immer das höchste Gut der Werbung“. Der Einsatz von Prominenten als vertrauensbildende Maßnahme wäre daher ein beliebtes Mittel heutigen Marketings. Das gelte im Übrigen auch für SEO-Treiber wie Ratgeberformate: Promi XY präsentiert Sehenswürdigkeit XY.

Wie Bartholomäus zuvor zeigte, könne „Influencer-Marketing“ jedoch schnell nach hinten losgehen: Als Bastian Schweinsteiger samt Marken-Kopfhörern in Social Media auftrat, ohne dies als Werbung kenntlich zu machen, folgte eine entsprechende Community- und Pressereaktion.

„In der Nachrichtenindustrie sind Bad News Good News“

Omfincon Recap

Alexis Eisenhofer sorgte mit seinem Abschlussvortrag für viel Gesprächsstoff: Der Roboter-Journalismus sei auf dem Vormarsch, habe teilweise schon übernommen: So würden viele Pressemeldungen bereits aus vorformatiertem Text und algorithmisch ermittelten Daten bestehen. Doch die bereits in den kritischen TNW Vorträgen geteilten Zukunftstechnologien würden noch viel weitere Kreise ziehen: Auch „Denkarbeiter“ hätten bald ausgedient, Massenarbeitslosigkeit drohe, da künstliche Intelligenz nach dem Moor’schen Gesetz exponentiell wachse und bald viele Bereiche des Lebens dominieren würde. Immer schlauere Algorithmen würden bereits im Scoring-Bereich eingesetzt werden, wo selbst Schwindlei statistisch ermittelt werden könne. Im Aktienmarkt gäbe schon jetzt sogenannte „Blockchan-Fonds“, die menschenlos, dezentral und autonom agieren würden. Auch würde der Großteil der Aktiengeschäfte bereits automatisiert ablaufen, teilweise innerhalb von Nanosekunden und mittels modernster CERN-Datenübertragungstechnologie quer durch den Erdkern.

Der Finanzberater von morgen sei ein „digitaler Robo Sapiens“. Aber der Finanzberater von morgen feiere dafür auch keine Sexparties in der Budapester Gellért-Therme, wie Eisenhofer seinen rhetorisch brillianten Vortrag humorvoll beendete.

Fazit zur OM finCon 2016 in Berlin

Auch wenn hier nur ein Teil der Vorträge Erwähnung finden konnte, ließ sich an diesem Tag nahezu jedem Beitrag etwas abgewinnen. Im abendlichen Gespräch mit vielen Teilnehmern gab es natürlich mal wieder die spannensten Insights. Zum Beispiel, dass überraschend viele Finanzaffiliates ihre freie Zeit mit sozialem Engagement verbringen. Und nicht mit Geld zählen.

Omfincon Recap

Danke an den Veranstalter für die Bildmaterial-Freigabe!

TNW Europe 2016 in Amsterdam: „What killed mass media?“

TheNextWeb 2016

TheNextWeb 2016Am 26. und 27. Mai wurde die nostalgische Amsterdamer „Westergasfabriek“ samt der umliegenden Parkanlagen Zeuge der „TNW Europe“, einer Technologie- und Zukunftskonferenz rund um digitale Medien. Rund 20.000 internationale Besucher lauschten hier aktuellen Vorträgen rund um Fortschritt und Technologie, Digitalmarketing und Nutzerverhalten, aber auch um Politik, Humanismus, Bioethik und Moral.

Vorab danke an Arne Rosemeyer, der mich erst auf die TNW aufmerksam gemacht und dann auch noch viele schöne Fotos geschossen hat!

The Next Web Eingang

„We have entered the Age Of Entanglement“

Wir wären immer noch eine „Teenage Civilization“, hätten kein Umweltbewusstsein, kümmerten uns kaum um das Schicksal anderer und hätten noch „Many lessons to learn“. Die Technikfuturistin Nell Watson nahm kein Blatt vor den Mund, als sie in ihrem Vortrag über Verantwortung und künstliche Intelligenz die Zukunft skizzierte.

Überlegenheitsgefühle seien die größte Bedrohung für einen nachhaltigen, technologischen Fortschritt. „We think we are smart. But are we smart enough to know how smart even animals are?“, warf sie provokant ins Publikum, nachdem sie anhand verschiedener Fallbeispiele aufzeigte, welche moralischen Prägungen in der Tierwelt existieren.

Künstliche Intelligenz sei jetzt nicht mehr zu stoppen, man solle sich auf ein gemeinsames Leben mit Robotern vorbereiten: „Another creature we share our lives with“. Es sei relevant auch Maschinen Liebe beizubringen, denn „Beloved children take care of their parents“. Watson zeigte sich skeptisch, inwieweit die Menschheit bereit dazu wäre, Schöpfer zu spielen.

„But then I decided not to be an elephant anymore“

Auch der „Künstler“ Thomas Thwaites griff das Tierreich in seinem „Vortrag“ auf: Ihm würden die Umwelteinflüsse in seinem Leben beizeiten zu viel werden, da „kognitiver Faschismus“ in unserer westlichen Welt um sich greife. Weshalb er sich kurzerhand entschied, ein Elefant zu werden. Doch nach seinen ersten Forschungsläufen stellte er fest, wie ausgeprägt Trauer bei Dickhäutern wäre. Er entschied sich daher, eine Ziege zu werden. Mithilfe von eigens orthopädisch anfertigter Ausrüstung und einer Magensonde verbrachte er also einige Tage auf einer Alm. Das ganze Projekt wurde von einem Sponsor finanziert, der sich der vermeintlichen Öffentlichkeitswirkung wohl schon im Vorfeld bewusst war.

The Next Web

„They don’t care about us. They care about themselves!“

Der Vortrag von Brian Kreuzberger, Gründer von Breakthroughmail, war hingegen um einiges pragmatischer: Wer einen Geschäftskontakt erreichen wolle, bediene sich am besten der „Wasserfalltechnik“. Aus der Vertriebssprache übersetzt bedeutet das: Die gesamte Hierarchie in einem Unternehmen mit E-Mails torpedieren, welche dann allesamt an den richtigen Ansprechpartner weitergeleitet werden, der um eine Antwort dann kaum mehr umhin kommt (da sie auch von intern angeordnet wird). Bei der E-Mail-Korrespondenz sei zudem zu berücksichtigen: „They don’t care about us. They care about themselves!“, weshalb der moderne Vertriebler eher ein Interview führe und Fragen stelle, anstatt selbst zu erzählen. Immerhin gelte es herauszufinden, wo die „Frustration“ des Gesprächspartners liege.

Wörter wie „Authentizität“ vielen gar nicht. Naja, vermutlich brauchen die Vertriebspioniere da noch ein paar Jahre.

„A broken clock is right twice a day!“

Pete Koomen, der Kopf der beliebten A/B-Testing-Software Optimizely, erzählte von einem wichtigen „Oh shit“-Moment in der Geschichte seines Unternehmens. Nämlich als ein Kunde einen A/A-Test durchführte und bemerkte: die Daten sind nicht identisch. Zurückzuführen auf einen statistischen Standardfehler (Hintergrund war der so genannte „T-Test“ zur Signifikanzmessung, der fälschlicherweise solange wiederholt wurde bis das gewünschte Ergebnis eintrat), ging Optimizely sehr offensiv mit dem Problem um, was das Kundenvertrauen sogar stärkte. „Fix the problem LOUDLY“ und „Own your mistakes“, empfahl Koomen. „Everybody has problems. Your customers have to now, that you unterstand your problems“. Abschließend wurden diverse populäre Studien in Hinblick auf statistische Standardfehler auseinander genommen, besonders beliebt: hohe Sterblichkeitsraten bei ohnehin schon sehr alten Versuchsteilnehmern werden auf untersuchte Zusammenhänge bezogen. Auch wissenschaftliche Daten seien demnach kein absolut verlässlicher Garant.

The Next Web

„Dont panic. Get interested.“

Meghan Keaney Anderson, Vizepräsidentin von Hubspot, nahm sich das Thema SEO vor: „In the early past, Internet had a Front Door. Search Engines opened up new doorways“. Der große Vorteil von SEO gegenüber anderen Disziplinen: „You are getting traffic for older content“. Neuerungen? Mobilegeddon und „App-SEO“ („3,5 billions searches a day“, „60% of online time is on mobile“, „86% of this time is spent in apps“), HTTPS Everywhere, Ladegeschwindigkeit. Questioning Search, Social Search, Voice Search, Conversational Search. Und nicht zu vergessen: Frau Anderson bestellt ihr Katzenfutter jetzt per Sprachsteuerung.

„We don’t miss emails – we just don’t have time to say no“

„How to get a journalists attention?“, fragte der Titel der Podiumsdiskussion mit Journalisten wie Brian Clark, Robert Scoble und Robin Wauters. Es ging um Filterungsprozesse bei der Themenauswahl. Und um Tipps, wie man zur Story wird: „Build a movement – get social proof activated“, denn „publicity is a result of good ideas“. Superlative wären im Übrigen ein absolutes No-Go, die primitive Werberfraktion solle bitte in Rente gehen. „Everything that bores me would bore my readers aswell“, gibt Wauters zu bedenken. Und selbst die von E-Mails bombardierten Journalisten bemerken: Wir lesen jede E-Mail. Wir haben nur keine Zeit, um „Nein“ zu sagen!

The Next Web Journalismus

„Facebook helps publishers, but not helps quality journalism“

Blendle-Gründer Alexander Klöpping im Gespräch mit „What Would Google Do“-Author Jeff Jarvis: Irgendwann bemerkte Klöpping, dass ihm Freunde Fotos von Zeitungsartikeln schickten und die Idee für Blende war geboren, denn „It’s important that journalism stays alive“. „Facebook helps publishers, but not helps quality journalism“, befand der Niederländer in Bezug auf die ausufernden Clickbaiting-Methoden vieler Verlage. Größte Chancen lägen auch in User Generated Content. So würden einige US-Verleger bereits neben dem eigentlichen Autor des Artikels auch prominente Kommentatoren aus der Community in der Hauptüberschrift einblenden. Ein partizipativer Ansatz, der auch in Europa noch viel Potential besäße. Auf die Frage eines anwesenden Printjournalisten entgegnete Klöpping nur frech: „I only care about good journalism – in any form or shape“. Eine andere Publikumsfrage: Wird es irgendwann Journalismus-Flatrates wie das Netflix-Modell geben? „Definitely“.

The Next Web

„If there is anything the world needs – It’s romance!“

Der gebürtige Deutsche Tim Leberecht ließ wenig deutsche Mentalität erkennen: Was immer mehr zunähme wäre eine „Algorithmic Cruelty“, „Where is the magic?“, „We are engineering the romance out of our lives!“. Doch er ging noch weiter: „Business entrepreneuers can be the modern poets“. Durchschnittlich habe jeder Mensch nur einen engen Freund und das wäre auch der Grund, warum es Konferenzen wie diese gäbe. „The opposite of lonelyness is intimacy“. „We need to have meaning in ours lives“, weshalb sich Phänomen wie die Icebucketchallange teilweise erklären ließen. „The more we sacrifice the more we feel“ – ein Dämpfer für vorherrschende Rational-Choice-Theorien und manch‘ einen Wirtschaftswissenschaftler. Das Unberechenbare sei etwas Mystisches: „Keep the mystique – it can help your product“, Der Musikdienst Forgotity spiele beispielsweise jene 4 Millionen Songs, die noch nie abgespielt wurden.

The Next Web

„Don’t build another goddamn app to find a restaurant!“

Mit Facebook verfolgen wir unbewusst eine „Counter-evolutionary strategy“: Der Fokus liege nur auf uns selbst. Mit kritischen Thesen machte Ethan Zuckerman – Direktor des MIT Center for Civic Media – auf die Entwicklung in Social Media aufmerksam. Am Ende würden eher Ähnlichkeiten verstärkt, als Unterschiede gefördert. Der Mensch suche nach ihm ähnlichen Mitmenschen und so würden auch die Algorithmen von Facebook funktionieren. „It’s simply rebuilds the network of people you know or you will get to know“. Publisher würden daher eine wichtige Rolle einnehmen, als „Brücke“ oder „Bindeglied“ zwischen den Welten fungieren: „If you are a bridge or a connector you are at a high risk of good ideas!“.

The Next Web

„You think you can say what you want – but somebodies listening“

Mohamed Nanabhay habe den arabischen Frühling in Ägypten hautnah miterlebt. Er erzählte, wie das Regime die Internetverbindungen landesweit gekappt hätte, wie ausländische Hoster mit Kündigung gedroht hätten, als sich davon erfuhren die Opposition zu hosten. Und wie relevante Nachrichten trotzdem jeden erreicht hätten. MIT-Direktor Zuckerman erzählte anknüpfend, wie nach wie vor weltweit kritische Onlinemagazine mit rasant wachsender Reichweite irgendwann ins Printformat gebracht werden, um auch von Parlamentariern gelesen werden zu können – und in kurzer Zeit sämtliche Anzeigekunden aus Sorge vor „politischem Mobbing“ abspringen. Überraschend reaktionär ging die Podiumsdiskussion zu Ende: „All big services are controlled by a group of corporations“, „Google and Facebook make money by surveillance“. Und auch Medienverweigerer seien nicht gefeit vor Überwachung: „You only have to correspond with someone who gets surveilled“. Auf die Frage der Moderatorin nach Handlungsoptionen hatte MIT-Professor Zuckerman direkt eine konkrete Antwort parat: „Encrypt your data! At least we can make life harder for these sons of bitches“.

„The age of mass media is over“

Individualisierung ist der Zeitgeist, unterstreicht Jeff Jarvis. Die größten Institutionen wie Bildung und Politik sollten endlich dies hingehend revolutioniert werden. Und während sich Stämme („Tribes“) zu Gemeinden, Völkern und schließlich supranationalen Gebilden geformt haben, so sei der nächste Entwicklungsschritt wieder der Weg in den Stamm (individuelle Interessengruppen).

„What we have to do, as a disrupted industry, is to go where people are. We have to reinvent news and journalism from the ground up“. Medienschaffende wären nicht länger Mediatoren oder Gatekeeper, sondern „Enabler“. „What killed mass media? It was self-induced“.

The Next Web

Weitere Zitate aus Vorträgen

Go get your mother, she will never see a fire like this

– Ryan Holiday zitiert Edison, nach einem monströsen Brand in seiner ersten Fabrik. Holiday sprach in seinem Vortrag über Stoizismus und die Kunst, unschönen Situation wohlwollend zu begegnen.

The web is becoming more an more consolidated. Five big worldwide websites get almost 40% of all internet traffic

– Or Offer, Similarweb

Personalization helps to reduce your choices

– Aparna Chennapragada, Google

An HBO-Star has no advantage or a 14-years old highschool child

– Casey Neistat zu Youtube

You think your technology is game-changing? Word and Excel were game-changing!

– David Allen

Technology makes us not happier

– Jason Fried, Basecamp

Mein Fazit zur TWW Amsterdam

Viele große Firmenlenker zeigten sich in ihren Vorträgen überraschend nachdenklich, was sicher dem alternativen Flair der gesamten Veranstaltung, als auch dem Zeitgeist geschuldet ist. Entschleunigung stand im Mittelpunkt vieler Vorträge, in denen es gleichwohl um Produktivität ging. Deutet sich da ein Paradigmenwechsel in der sonst so stark utilitaristisch geprägten Medien- und Techszene an?

Blogfamilia 2016 in Berlin

Marius Fröchling

Marius Fröchling

Am 05. Mai hatte ich das Vergnügen im Rahmen der Elternbloggerkonferenz „Blogfamilia“ in Berlin einen Vortrag beizusteuern. Eine Zusammenfassung wurde auf der Veranstaltungsseite online gestellt.

Ein riesengroßes Dankeschön gebührt – neben dem sehr engagierten und sicheren Orga-Team – auch Patricia „Dasnuf“ Cammarata, die Teile des Vortrags in Echtzeit in eine Grafik transportiert hat:

Vortrag

Ich durfte mir im Rahmen der Konferenz auch die sehr interessanten Vorträge von u. a. Nina Katrin Straßner, Maximilian Buddenbohm und Jessica Kunstmann anhören. Bemerkenswert ist die Tatsache, wie zentral das Thema der politischen Verantwortung in der Elternbloggerszene vorherrscht. Gewinnmaximierung steht bei den meisten Publizisten definitiv nicht an erster Stelle. Davon können sich andere Branchen noch eine Scheibe abschneiden!

Hier einige ausführlichere Recaps, die ich zur Blogfamilia 2016 gefunden habe:

Und das Wichtigste zum Schluss: Carolin Weinkopf ist eine fabelhafte Fotografin!

Vortrag von Marcus Tandler auf der W-Jax 15

Vortragsbild

Marcus Tandler zählt seit Jahren zu den bekanntesten Suchmaschinenoptimierern in Deutschland. Dabei ist sein Vortragsstil zu einer Art Markenzeichen geworden. Ein aktueller Mitschnitt von der W-Jax 15, der „führenden Konferenz-Serie für Enterprise-Technologien, agile Methoden und Software-Architekturen“, nimmt die Allmachtsansprüche von Google aufs Korn.

Vortragsbild

Die häuftigsten Googlesuchen in 2015

Google Trends

Auch in diesem Dezember präsentiert Google die am häufigsten verzeichneten Suchanfragen im vergangenen Jahr 2015. Dabei überraschen die medial beeinflussten Trendthemen weniger als die Longtail-Suchanfragen, die Google in Form von W-Fragen präsentiert.

Wer mit Contentportalen arbeitet, kann sich von diesen Fragen inspirieren lassen. Zumindest ihre Muster lassen Ableitungen anstellen, wenn man bedenkt, dass rund jede fünfte Suchanfrage komplett neu sein soll.

OMK 2015 Recap – Highlights der Online Marketing Konferenz Lüneburg

OMK 2015 Recap
Tipp: Das OMK 2016 Recap ist inzwischen online.

OMK2015 RecapAm 24. September 2015 waren die Hörsäle der Uni Lüneburg wieder einmal Schauplatz für die „Online Marketing Konferenz“ (OMK). Die Vortragsinhalte dieses Jahr: meist spannend, manchmal beängstigend, mitunter polarisierend.

Schluss mit den Lügenmärchen!

Für die Keynote hatte man den Thrillerautor und Strategieberater Dr. Veit Etzold gewonnen. Und der schmetterte der versammelten Marketingmeute gleich saftig entgegen: hier gehe es jetzt um Storytelling und nicht um Fairytelling. Wer keine guten Produkte offeriert, dem bleibt nur ein herabwürdigendes „billig“. Doch um seinen Inhalt zu lancieren, lohne es sich das Handwerkszeug eines guten Geschichtenerzählers zu kennen.

Und das bedeute, eben nicht nur ein stupides Bekenntnis zum „besten Produkt“ zu äußern, sondern vielmehr ein Drama zu inszenieren. Dessen Ausgang: die eigene Lösung geht als schillender Held aus dem Nervenkitzel hervor. Emotion, statt Faktenlage. Dramaturgie, statt Marketing-Hohlheit.

Manager kommunizieren zu 80 % ihrer Zeit und finden 80 % dieser Dialoge langweilig. Kein Wunder, führt man sich beispielhaft die staubtrockenen und nichtssagenden Textauszüge aus Abschlussberichten großer Firmen vor Augen. Etzold rät daher mit klarer, einfacher Sprache und Metaphern zu arbeiten. Wie Kennedy bei der Mondmission. Oder Ridley Scott bei der PR rund um den Film „Alien“, der als „Weißer Hai im Weltraum“ hervorragend vermarktet werden konnte.

Kurzum: rhetorisch stark Keynote von einem echten Präsentationsprofi. Hut ab!

„Vor zehn Jahren bin ich hier von der Uni geflogen!“

Christoph BursegSo eröffnete Christoph Burseg selbstbewusst seinen Vortrag, um das erheiterte Publikum direkt mit harten Fakten zu bombardieren: Keine Webseite bekommt mehr Traffic von Google als Youtube. Blut ist eben dicker als Wasser. SERP-Nischen kann man als SEO daher ideal mit Youtube-Videos besetzen, um Googles Vetternwirtschaft als Trittbrettfahrer zu nutzen.

Auch das Mitsurfen auf Populärthemen wie iPhone oder Aida gelinge wunderbar, weil die Konzerne offenbar nicht in der Lage sind, das Potential auch nur annähernd auszuschöpfen: „Bei Youtube sind große Konzerne auch nur Rookies“. Was funktioniere noch? Experimente, Männerphantasien, Kindheitsträume. Und übrigens auch die „Zersetzung von Mitbewerbern“. Metadaten-SEO funktioniere für Youtube übrigens schon ganz wunderbar, 8 – 10 Tags seien ein guter Richtwert.

Fazit: provokant, hilfreich und nahbar. Ein ebenfalls hochkarätiger Vortrag.

Native Advertising – Werbung ohne Werbung?

Nina Dierks stellte in ihrem Vortrag nicht nur klar, wie wenig sie von Sami Salami hält (wobei dies ja bereits ein Lob verdient). Sie machte außerdem deutlich: es ist nicht nur unvereinbar mit dem Pressekodex sondern schlicht illegal, wenn man Inhalte ohne Anzeigenkennzeichnung online stellt, für die Geld oder geldwerte Vorteile geflossen sind. Dabei seien die staatlichen Behörden gar nicht die Instanz, vor der sich Unternehmen ducken müssten. Vielmehr seien es die Wettbewerber, die Testanrufe durchführen und Abmahnungen, sowie negative Öffentlichkeitsarbeit folgen lassen könnten.

Durch die zunehmende ProfessiNina Dierksonalisierung der Internet-Szene sei es nur eine Frage der Zeit, bis es auch Werbeformen wie Native Advertising treffe. Beyersdorf und Unilever hätten beispielsweise allein jeweils fünf angestellte Anwälte, die den ganzen Tag nur Konkurrenzwerbung ihre auf Angriffsfläche hin analysieren. Solche Dimensionen seien auch für die Onlinemedien denkbar.

Mehrere Wortmeldungen aus dem Publikum zweifelten an den Möglichkeiten, nicht gekennzeichente Werbung aufzudecken. Offenbar fühlten sich da ein paar Leute ertappt. Dierks verwies an den Nachhaltigkeitsgedanken und bliebt standhaft bei ihrer Empfehlung solcherlei Geschäfte zu unterlassen.

So war’s: hochgradig spannend, und trotz mancher Vorurteile gegenüber Juristen sogar super sympathisch

„Wir haben noch nie vor so vielen Leuten gesprochen“

… „und den Ball, den ich auf dem Kinderfoto hier in der Hand halte, trage ich jetzt unterm T-Shirt“. Die Jungs von Urlaubsguru.de haben begriffen, wie man das eigene Lebenswerk mit Understatement präsentiert. Und sie setzen auf „Westfälische Bodenständigkeit“, denn sie hätten nur „das ausgegeben, was wir auch eingenommen haben“. Mit ein paar Euros wurde die erste Domain registriert und losgeschrieben. Heute habe das Unternehmen über 100 Mitarbeiter, einen Feel-Good-Manager, Familienprogramme, Mitarbeiter-WG’s.

Urlaubspiraten
Veranstalter Patrick Pietruck kündigt den Vortrag der „Urlaubsgurus“ an.

„Service als Buzzword stand schon 1980 im Quellekatalog. Doch das muss man auch mit Leben füllen“, erklärt Daniel Marx. 12,5 Stunden durchsuche ein Deutscher das Netz, um seinen Sommerurlaub zu buchen. Urlaubsguru fungiere dabei wie ein „Reisebüro 2.0“, welches durch ständige Verfügbarkeit und gute Vernetzung alles für den Nutzer tue.

Als Erfolgsrezepte nennen Daniel Krahn und sein Mitgründer vor allem Kooperationen mit Prominenten in Form von Interviews im eigenen Magazin, sowie Trikotsponsoring für einen BVB-Spieler (was unmittelbar zu 5-fachem Brandtraffic geführt habe) und das „Praktikum deines Lebens“ – eine Casting-Kampagne nach DSDS-Vorbild, die enormes Medienecho auf allen Kanälen erregt hatte.

Klartext: manch‘ ein Geschäftsmodell entsteht eben immernoch „bei 1-2 Bierchen auf dem Balkon“. Zumindest, wenn Macher ans Werk gehen.

„Jeder hatte seinen Linkdealer“

Nicole MankEinen klassischen SEO-Vortrag hielt Nicole Mank, die mit historischer Aufarbeitung der alten SEO-Zeiten einstieg: „Jeder hatte seinen Linkdealer – man konnte ganze Linkwheels einfach kaufen“ und so sei SEO sehr skalierbar gewesen. Funktionieren tue das theoretisch immernoch, aber sei zu gefährlich geworden, da Google seither seine Qualität überarbeitet habe.

„Ranking ohne Links?“ war daher das Vortragsthema und das habe die russische Suchmaschine Yandex ein Jahr lang ausprobiert: um mit einer Erfolgsquote bei der Spambekämpfung von gerade einmal 16% die Segel zu streichen und Links wieder zu werten. Mank unterstrich, dass die für Deutschland relevante Suchmaschine Google ihren gesamten Algorithmus überarbeiten müsse, um ohne Links zu arbeiten, nichtsdestotrotz aber verstärkter auf Usersignale setze.

Google werte die „Reise des Nutzers“ nach einer getätigten Suchanfrage quer durch die Webseitenwelt aus, um sein Endziel mit entsprechendem Ranking für nachfolgende Nutzer zu belohnen. Daher würde dies vorallem in der Top10 zum Tragen kommen, während alle Positionen unterhalb noch hauptsächlich algorithmisch ermittelt würden. Spannender Insider am Schluss: es gibt Negativ-SEO ohne Links – und zwar in Form von Robots, die gezielt schlechte Nutzersignale aussenden, um Websites zu schaden.

Zusammengefasst: als täte die das jeden Tag! Chapeau!

Die Zitate der OMK

Die OMK bot noch viele weitere, größtenteils ebenfalls interessante Vorträge, die ich jedoch nicht alle wahrnehmen bzw. ordentlich protokollieren konnte (oder wollte).

Einige schöne Zitate dieses Tages habe ich jedoch gesammelt:

 

Suchmaschinen werden verschwinden

– Prof. Dr. Dirk Lewandowski, HAW Hamburg

 

Wir haben durch die Digitalisierung die Vertreibung aus dem Paradies erlebt

– Philippe Wette zitiert von Henning Lange, MOPO

 

Apple iOS zieht beim Klick auf das Suchergebnis einfach Traffic von Google in die App ab

– Ralf Ohlenbostel, Zalando

 

Google kann Facebook nicht ignorieren!

– Björn Tantau, Facelift

 

Beten wir, dass die Messbarkeit von Userdaten nicht weiter beschnitten wird

– Sebastian Look, web-netz

 

Guter Content kann auch nur ein einzelnes Bild sein

– Gero Wenderholm, Unternehmensberater

 

Wer glaubt, dass online sexy ist?“

(keiner im Saal meldet sich daraufhin) – Veit Etzold, Strategieberater

 

Wir machen Dinge im privaten Umfeld intuitiv richtig – warum nicht auch beruflich etwas naiver sein?

– Sebastian Look, web-netz

 

Wir werden ständig von GILLETTE verklagt!

– Firat Pavavar, Morning Glory

 

SEO-Erfolg hat man nicht in 3 Monaten

– Nicole Mank, web-netz

 

SEO bleibt der günstigste Kanal

– Sören Bendig, SEOlytics

 

Desktop-Traffic und Mobile-Traffic: das eine wird das andere nie ganz ersetzen!

– Ralf Ohlenbostel, Zalando

 

Apple hat Google durch Bing getauscht – und keiner hats gemerkt

– Prof. Dr. Dirk Lewandowski, HAW Hamburg

 

Björn, wer in deinem Alter benutzt denn bitte Snapchat außer dir?

– Patrick Pietruck, web-netz (scherzhaft zu Björn Tantau)

 

Abschließend geht ein großes Lob an den Veranstalter (meine alten Kollegen von web-netz und die Leuphana Universität Lüneburg) und alle Beteiligten. Das Catering und der Ablauf ließen keine Wünsche offen. Natürlich ist es immer schade, dass man nicht alle Referenten anhören kann, wenn zwei Slots parallel laufen. Aber anders lässt sich diese Anzahl an Themen wohl auch nicht an einem Tag realisieren.

Es bleibt zu hoffen, dass es auch in 2016 wieder eine Online Marketing Konferenz in Lüneburg geben wird!

Neues Google Update: viele Publisher verlieren Bildertraffic

SEO Bildertraffic

Google BildertrafficGoogle hat am vergangenen Freitag (13.09.2015) ein neues Update in Deutschland ausgerollt. Diesmal ist die Google-Bildersuche davon betroffen. Bei mehreren großen und kleinen Webseiten lässt sich seither ein Trafficeinbruch diagnostizieren.

Bereits in 2013 wurde der Bildertraffic in den USA für tot erklärt. Nun scheint Google die Anpassungen auch in den deutschen Bilder-Suchergebnissen aktiviert zu haben. Bilder werden beim Klick nur noch direkt angezeigt (und damit ein Visit ausgelöst), wenn die betroffene Seite über das https-Protokoll erreichbar ist. Bis dato wurde die medienbeinhaltende Seite direkt als Frame geladen, noch bevor die Großansicht des gesuchten Bildes angewählt wurde.

SEO BildertrafficSeitenbetreiber, die bisher nicht auf https umgeschaltet haben, dürften seit dem Wochenende mit sehr hohen Einbußen beim Bildertraffic zu kämpfen haben. Ich habe den Bildertraffic von mehreren sehr reichweitenstarken Webseiten untersucht und kann das bei diesen Projekten ausnahmslos bestätigen. Wer schon früh auf eine entsprechende SSL-Verschlüsselung seiner Webseite gesetzt hat, sollte aktuell jedoch nicht mit Verlusten rechnen müssen.

*Update am 16.09.2015*

Bildertraffic SSL UpdateNachdem sich der deutsche Meister im Bilder-SEO, Martin Mißfeldt, in einem Blogposting zu der Situation geäußert und auch Google-Vertreter direkt angesprochen hat, entsteht der Eindruck Google hätte die Änderung gar nicht beabsichtigt. Da sich die Beschwerden inzwischen häufen bleibt abzuwarten, ob und wann sich Google offiziell zur Situation äußern wird.

*Update 2 am 17.09.2015*

Seit letzter Nacht hat Google die Änderungen offenbar rückgängig gemacht. Betroffene Publisher können vorerst aufatmen. Eine offizielle Stellungnahme von Seiten des Suchmaschinenmonopolisten steht weiterhin aus.

SISTRIX Sichtbarkeit 2,52 in 7 Tagen und ohne Links – ein Kinderspiel

Sichtbarkeit

Sistrix Sichtbarkeitsindex 2,52 in 7 Tagen ohne Links erzeugenNein, dies ist kein vorgezogener Aprilscherz: blutjunge Domain, kaum Content, keine Backlinks. Und gleich nach der Indexierung liegt die Sichtbarkeit laut Sistrix bei 2,52. So macht SEO Spaß! Und so unterstreichen Tatsachen mal wieder die Irrelevanz einzelner Kennzahlen.

Zuerst der Beweis. Bitte einmal:

1.) die im Vorfeld aufgebrachten 350 Entwicklerstunden auf der Zunge zergehen lassen: http://www.online-outlet-warenhaus.de/ (oder waren es 3,5?)

2.) die Sistrix-Toolbox oder ein Tool mit Sistrix-API starten

3.) die soeben genannte hochkarätige Keyword-Domain dort prüfen lassen

Hui, das ist doch mal ein souveräner Einstieg:

Sichtbarkeit 2,52 in kürzester Zeit

Was ist da los? Wie war das noch mit der Sandbox?

Natürlich hatten wir das irgendwo beabsichtigt. Ein perfider Plan. Aber das hatten wir nicht erwartet.

Ursachenforschung! Sind wir jetzt der Stern am Outlethimmel?

Die SERP-Präsenz ist jedenfalls überwältigend:

Die Search Engine Ranking Positions für Outletwarenhaus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Backlinks “in Hülle und Fülle”:

WMT zeigen Backlinks

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die schicke Sichtbarkeit muss ja zwangsweise erzeugt worden sein durch rankende Keywords. Also diese hier?

Sichtbarkeit aufgrund von Rankings

 

 

 

 

 

Da ist ja richtig Dampf hinter:

Das Google Keyword Tool zeigt Ergebnisse

 

 

 

 

Und erwartungsgemäß bricht der reale Traffic alle Rekorde:

Der Traffic zieht nicht gerade an

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle Klarheiten beseitigt?

Frohe Ostern zusammen! :-)

Sichtbarkeitsindex hat ausgedient

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Update 22.04.2013*
Mit dem Sonntagsupdate und vielleicht auch wegen Julians Kritik hat Sistrix unserer Outletdomain die Sichtbarkeit wieder entzogen. Komischerweise nur dieser Domain, wie andere Webseiten die unter den selben Keywords ranken beweisen. Wer also auf Sichtbarkeit scharf ist, möge auf die Keywords optimieren! ;-)

*Update 28.04.2013*
… und die aktuellen Sichtbarkeitszahlen der Sonntagsziehung lauten: 1,48 (+ 3.807%). Alle Angaben sind wie immer ohne Gewähr.

Anmerkung: dieser Beitrag wurde ursprünglich im März 2013 auf kenntnisstand.net veröffentlicht und nachträglich auf froechling.com portiert.

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