OMK 2015 Recap – Highlights der Online Marketing Konferenz Lüneburg

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OMK2015 RecapAm 24. September 2015 waren die Hörsäle der Uni Lüneburg wieder einmal Schauplatz für die „Online Marketing Konferenz“ (OMK). Die Vortragsinhalte dieses Jahr: meist spannend, manchmal beängstigend, mitunter polarisierend.

Schluss mit den Lügenmärchen!

Für die Keynote hatte man den Thrillerautor und Strategieberater Dr. Veit Etzold gewonnen. Und der schmetterte der versammelten Marketingmeute gleich saftig entgegen: hier gehe es jetzt um Storytelling und nicht um Fairytelling. Wer keine guten Produkte offeriert, dem bleibt nur ein herabwürdigendes „billig“. Doch um seinen Inhalt zu lancieren, lohne es sich das Handwerkszeug eines guten Geschichtenerzählers zu kennen.

Und das bedeute, eben nicht nur ein stupides Bekenntnis zum „besten Produkt“ zu äußern, sondern vielmehr ein Drama zu inszenieren. Dessen Ausgang: die eigene Lösung geht als schillender Held aus dem Nervenkitzel hervor. Emotion, statt Faktenlage. Dramaturgie, statt Marketing-Hohlheit.

Manager kommunizieren zu 80 % ihrer Zeit und finden 80 % dieser Dialoge langweilig. Kein Wunder, führt man sich beispielhaft die staubtrockenen und nichtssagenden Textauszüge aus Abschlussberichten großer Firmen vor Augen. Etzold rät daher mit klarer, einfacher Sprache und Metaphern zu arbeiten. Wie Kennedy bei der Mondmission. Oder Ridley Scott bei der PR rund um den Film „Alien“, der als „Weißer Hai im Weltraum“ hervorragend vermarktet werden konnte.

Kurzum: rhetorisch stark Keynote von einem echten Präsentationsprofi. Hut ab!

„Vor zehn Jahren bin ich hier von der Uni geflogen!“

Christoph BursegSo eröffnete Christoph Burseg selbstbewusst seinen Vortrag, um das erheiterte Publikum direkt mit harten Fakten zu bombardieren: Keine Webseite bekommt mehr Traffic von Google als Youtube. Blut ist eben dicker als Wasser. SERP-Nischen kann man als SEO daher ideal mit Youtube-Videos besetzen, um Googles Vetternwirtschaft als Trittbrettfahrer zu nutzen.

Auch das Mitsurfen auf Populärthemen wie iPhone oder Aida gelinge wunderbar, weil die Konzerne offenbar nicht in der Lage sind, das Potential auch nur annähernd auszuschöpfen: „Bei Youtube sind große Konzerne auch nur Rookies“. Was funktioniere noch? Experimente, Männerphantasien, Kindheitsträume. Und übrigens auch die „Zersetzung von Mitbewerbern“. Metadaten-SEO funktioniere für Youtube übrigens schon ganz wunderbar, 8 – 10 Tags seien ein guter Richtwert.

Fazit: provokant, hilfreich und nahbar. Ein ebenfalls hochkarätiger Vortrag.

Native Advertising – Werbung ohne Werbung?

Nina Dierks stellte in ihrem Vortrag nicht nur klar, wie wenig sie von Sami Salami hält (wobei dies ja bereits ein Lob verdient). Sie machte außerdem deutlich: es ist nicht nur unvereinbar mit dem Pressekodex sondern schlicht illegal, wenn man Inhalte ohne Anzeigenkennzeichnung online stellt, für die Geld oder geldwerte Vorteile geflossen sind. Dabei seien die staatlichen Behörden gar nicht die Instanz, vor der sich Unternehmen ducken müssten. Vielmehr seien es die Wettbewerber, die Testanrufe durchführen und Abmahnungen, sowie negative Öffentlichkeitsarbeit folgen lassen könnten.

Durch die zunehmende ProfessiNina Dierksonalisierung der Internet-Szene sei es nur eine Frage der Zeit, bis es auch Werbeformen wie Native Advertising treffe. Beyersdorf und Unilever hätten beispielsweise allein jeweils fünf angestellte Anwälte, die den ganzen Tag nur Konkurrenzwerbung ihre auf Angriffsfläche hin analysieren. Solche Dimensionen seien auch für die Onlinemedien denkbar.

Mehrere Wortmeldungen aus dem Publikum zweifelten an den Möglichkeiten, nicht gekennzeichente Werbung aufzudecken. Offenbar fühlten sich da ein paar Leute ertappt. Dierks verwies an den Nachhaltigkeitsgedanken und bliebt standhaft bei ihrer Empfehlung solcherlei Geschäfte zu unterlassen.

So war’s: hochgradig spannend, und trotz mancher Vorurteile gegenüber Juristen sogar super sympathisch

„Wir haben noch nie vor so vielen Leuten gesprochen“

… „und den Ball, den ich auf dem Kinderfoto hier in der Hand halte, trage ich jetzt unterm T-Shirt“. Die Jungs von Urlaubsguru.de haben begriffen, wie man das eigene Lebenswerk mit Understatement präsentiert. Und sie setzen auf „Westfälische Bodenständigkeit“, denn sie hätten nur „das ausgegeben, was wir auch eingenommen haben“. Mit ein paar Euros wurde die erste Domain registriert und losgeschrieben. Heute habe das Unternehmen über 100 Mitarbeiter, einen Feel-Good-Manager, Familienprogramme, Mitarbeiter-WG’s.

Urlaubspiraten

Veranstalter Patrick Pietruck kündigt den Vortrag der „Urlaubsgurus“ an.

„Service als Buzzword stand schon 1980 im Quellekatalog. Doch das muss man auch mit Leben füllen“, erklärt Daniel Marx. 12,5 Stunden durchsuche ein Deutscher das Netz, um seinen Sommerurlaub zu buchen. Urlaubsguru fungiere dabei wie ein „Reisebüro 2.0“, welches durch ständige Verfügbarkeit und gute Vernetzung alles für den Nutzer tue.

Als Erfolgsrezepte nennen Daniel Krahn und sein Mitgründer vor allem Kooperationen mit Prominenten in Form von Interviews im eigenen Magazin, sowie Trikotsponsoring für einen BVB-Spieler (was unmittelbar zu 5-fachem Brandtraffic geführt habe) und das „Praktikum deines Lebens“ – eine Casting-Kampagne nach DSDS-Vorbild, die enormes Medienecho auf allen Kanälen erregt hatte.

Klartext: manch‘ ein Geschäftsmodell entsteht eben immernoch „bei 1-2 Bierchen auf dem Balkon“. Zumindest, wenn Macher ans Werk gehen.

„Jeder hatte seinen Linkdealer“

Nicole MankEinen klassischen SEO-Vortrag hielt Nicole Mank, die mit historischer Aufarbeitung der alten SEO-Zeiten einstieg: „Jeder hatte seinen Linkdealer – man konnte ganze Linkwheels einfach kaufen“ und so sei SEO sehr skalierbar gewesen. Funktionieren tue das theoretisch immernoch, aber sei zu gefährlich geworden, da Google seither seine Qualität überarbeitet habe.

„Ranking ohne Links?“ war daher das Vortragsthema und das habe die russische Suchmaschine Yandex ein Jahr lang ausprobiert: um mit einer Erfolgsquote bei der Spambekämpfung von gerade einmal 16% die Segel zu streichen und Links wieder zu werten. Mank unterstrich, dass die für Deutschland relevante Suchmaschine Google ihren gesamten Algorithmus überarbeiten müsse, um ohne Links zu arbeiten, nichtsdestotrotz aber verstärkter auf Usersignale setze.

Google werte die „Reise des Nutzers“ nach einer getätigten Suchanfrage quer durch die Webseitenwelt aus, um sein Endziel mit entsprechendem Ranking für nachfolgende Nutzer zu belohnen. Daher würde dies vorallem in der Top10 zum Tragen kommen, während alle Positionen unterhalb noch hauptsächlich algorithmisch ermittelt würden. Spannender Insider am Schluss: es gibt Negativ-SEO ohne Links – und zwar in Form von Robots, die gezielt schlechte Nutzersignale aussenden, um Websites zu schaden.

Zusammengefasst: als täte die das jeden Tag! Chapeau!

Die Zitate der OMK

Die OMK bot noch viele weitere, größtenteils ebenfalls interessante Vorträge, die ich jedoch nicht alle wahrnehmen bzw. ordentlich protokollieren konnte (oder wollte).

Einige schöne Zitate dieses Tages habe ich jedoch gesammelt:

 

Suchmaschinen werden verschwinden

– Prof. Dr. Dirk Lewandowski, HAW Hamburg

 

Wir haben durch die Digitalisierung die Vertreibung aus dem Paradies erlebt

– Philippe Wette zitiert von Henning Lange, MOPO

 

Apple iOS zieht beim Klick auf das Suchergebnis einfach Traffic von Google in die App ab

– Ralf Ohlenbostel, Zalando

 

Google kann Facebook nicht ignorieren!

– Björn Tantau, Facelift

 

Beten wir, dass die Messbarkeit von Userdaten nicht weiter beschnitten wird

– Sebastian Look, web-netz

 

Guter Content kann auch nur ein einzelnes Bild sein

– Gero Wenderholm, Unternehmensberater

 

Wer glaubt, dass online sexy ist?“

(keiner im Saal meldet sich daraufhin) – Veit Etzold, Strategieberater

 

Wir machen Dinge im privaten Umfeld intuitiv richtig – warum nicht auch beruflich etwas naiver sein?

– Sebastian Look, web-netz

 

Wir werden ständig von GILLETTE verklagt!

– Firat Pavavar, Morning Glory

 

SEO-Erfolg hat man nicht in 3 Monaten

– Nicole Mank, web-netz

 

SEO bleibt der günstigste Kanal

– Sören Bendig, SEOlytics

 

Desktop-Traffic und Mobile-Traffic: das eine wird das andere nie ganz ersetzen!

– Ralf Ohlenbostel, Zalando

 

Apple hat Google durch Bing getauscht – und keiner hats gemerkt

– Prof. Dr. Dirk Lewandowski, HAW Hamburg

 

Björn, wer in deinem Alter benutzt denn bitte Snapchat außer dir?

– Patrick Pietruck, web-netz (scherzhaft zu Björn Tantau)

 

Abschließend geht ein großes Lob an den Veranstalter (meine alten Kollegen von web-netz und die Leuphana Universität Lüneburg) und alle Beteiligten. Das Catering und der Ablauf ließen keine Wünsche offen. Natürlich ist es immer schade, dass man nicht alle Referenten anhören kann, wenn zwei Slots parallel laufen. Aber anders lässt sich diese Anzahl an Themen wohl auch nicht an einem Tag realisieren.

Es bleibt zu hoffen, dass es auch in 2016 wieder eine Online Marketing Konferenz in Lüneburg geben wird!

Comments

  1. Vielen Dank für den Recap & schön, dich mal wieder gesehen zu haben!
    Viele Grüße, Anna

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