„Im Online-Business ist es schwer, mit etwas zufrieden zu sein“ – Jobportal-Gründer Benjamin Hummel im Interview zum Online-Marketing-Arbeitsmarkt

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Interview Online Marketing ArbeitsmarktDie Online-Marketing-Branche kann sich nicht beklagen: Für das laufende Geschäftsjahr 2016 prognostiziert PwC Online-Werbeumsätze von rund 6,5 Milliarden Euro. Wer hier erfolgreich mitmischen möchte, braucht gut ausgebildete und berufserfahrene Mitarbeiter. Doch wie begeistert man die? Was ist Webworkern heutzutage wichtig? Spannende Antworten birgt folgendes Interview mit dem Betreiber des Jobportals Online-Marketing-Jobs.de.

Benjamin HummelZur Person
Benjamin Hummel (34) weiß, worauf es beim Personal im Online-Marketing ankommt. Als Gründer und Geschäftsführer der cayona GmbH sammelt er bereits seit 2007 Expertise in den Bereichen Search, Conversion, Usability und Affiliate – und war für mehrere namhafte Unternehmen in diesen Bereichen tätig. Sein neustes Projekt konzentriert sich auf die Jobvermittlung im Online-Marketing-Sektor. Und das mit innovativen und ganzheitlichen Ansätzen.

Benjamin, was muss ein Arbeitgeber im Online-Marketing bieten, um gute Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig zu halten? Kostenlosen Kaffee?

Benjamin Hummel: Viel wichtiger als kostenloser Kaffee – was eigentlich Standard in jeder Firma sein sollte – sind aus meiner Sicht in erster Linie extrinsische Motivationsfaktoren. Dazu zählen insbesondere Belohnungen in Form von Bonuszahlungen, Umsatzbeteiligungen und/oder Freizeitausgleich. Neben diesen harten Faktoren, spielen natürlich auch weichere Faktoren, wie z.B. die tatsächlich gelebte Unternehmenskultur sowie die internen Hierarchien einer Firma eine wichtige Rolle.

Konferenz Weiterbildung

Weiterbildung hat enorme Priorität im Online-Marketing-Sektor: „Langfristig erfolgreiche Unternehmen sorgen dafür, dass die Mitarbeiter sich fortlaufend weiterentwickeln können“, verrät Benjamin Hummel.

Die Online-Branche unterliegt einem ständigen Wandel und erfordert eine stetige Anpassung und Reaktion an sich verändernde Rahmenbedingungen. Langfristig erfolgreiche Unternehmen sorgen deshalb dafür, dass die Mitarbeiter sich fortlaufend weiterentwickeln können, z.B. in Form von Seminaren, Workshops, Vorträgen oder auf Networking-Veranstaltungen, um wichtige Kontakte knüpfen zu können und sich über neue Entwicklungen und Trends auszutauschen. Genauso wichtig ist es im nächsten Schritt, das neue Wissen und die neuen Erkenntnisse und Kontakte in das Unternehmen einbringen zu können, d.h. konkret eine Austauschkultur im Unternehmen zu etablieren. Sinnvoller Input sollte dann auch konkret in die Tat umgesetzt werden. Hierdurch resultierende Erfolge führen zu zufriedenen Mitarbeitern, da ein jeder zum Erfolg des Unternehmens beitragen kann und sich wertgeschätzt fühlt. Man ist sozusagen „Unternehmer im Unternehmen“.

Ok, verstehe: Also man muss BWLer sein und Webers protestantischer Ethik fröhnen.

Benjamin Hummel: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Vielmehr geht es darum, dass Unternehmen den Mitarbeitern mehr Zeit und Raum für Fehler einräumen sollten. Hierdurch lernen die Mitarbeiter unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und ihr Handeln vermehrt wirtschaftlich im Sinne des Unternehmenserfolges auszurichten.

Gerade im Online-Marketing ist es wichtig, auch einmal neue, bisher unbekannte, Wege zu gehen und Dinge einfach mal auszuprobieren. Denn „wer nie was riskiert, kann nie scheitern. Und nie gewinnen.“ (Zitat Paul Mommertz, deutscher Schriftsteller, A.d.R.)

Ist die freiberufliche bzw. selbstständige Arbeit für Fachkräfte im Online-Marketing inzwischen nicht viel naheliegender als fünf von sieben Wochentagen im muffigen Büro zu hocken?

Benjamin Hummel: Aus meiner Sicht ein klares „Ja!“. Das ist aber natürlich sehr von der jeweiligen Person und den individuellen Vorlieben abhängig. Nicht jeder ist für die Selbständigkeit und Allem was dazugehört gemacht. In Gesprächen mit Angestellten aus der Branche hat sich gezeigt, dass viele das Angestellten-Dasein gerade aufgrund von geregeltem Urlaub, fixem Gehalt und festen Abläufen sehr zu schätzen wissen.

Aus Unternehmenssicht ergeben sich ebenfalls erhebliche Unterschiede, wenn eine offene Stelle mit angestellten oder externen Fachkräften besetzt wird. Für den Einsatz externer Fachkräfte spricht in jedem Fall der Ausschluss von Betriebsblindheit, die ausschließliche Vergütung erfüllter Aufträge (keine Fixkosten), produktives und selbständiges Arbeiten, flexible Einsatzmöglichkeiten, sowie i.d.R. ein fachlich hohes Kompetenzniveau, aufgrund der Mitarbeit in mehreren Unternehmen/Projekten.

Ihr habt mit Online-Marketing-Jobs.de ein Jobportal für Fachkräfte geschaffen. Wo liegen eure Alleinstellungsmerkmale?

Benjamin Hummel: Also…

  1. Wir bieten wichtige Such- und Filterfunktionen für die Jobsuchenden an, damit diese mit wenigen Klicks nur die in Frage kommenden Jobangebote angezeigt bekommen und sich nicht mühsam durch alle Anzeigen arbeiten müssen.
  2. Mit jeder geschalteten Jobanzeige wird automatisiert ein Unternehmensprofil auf Online-Marketing-Jobs.de angelegt, auf dem alle aktuell verfügbaren Jobs des Unternehmens angezeigt werden. Zusätzlich werden alle Links zu den Social-Media-Kanälen des Unternehmens hinterlegt, damit sich der Jobsuchenden vorab ein umfassendes Bild über das Unternehmen machen kann.
  3. Online-Marketing-Jobs.de ist für mobilen Traffic optimiert, da ein Großteil der User mittlerweile über das Smartphone recherchiert. Zudem werden alle Daten sicher SSL-verschlüsselt. Jetzt werden viele sagen – „das ist doch Standard heutzutage!“. Und damit haben sie absolut Recht. Leider ist es aber bei einigen Jobbörsen immer noch kein Standard, daher möchte ich es hier explizit erwähnen.
  4. Unternehmen können beim Einstellen ihrer Stellenanzeige auswählen, ob Bewerber sich optional via Xing und/oder Facebook auf die ausgeschriebene Stelle bewerben können. Gerade für Jobs im Social-Media ist das eine sehr interessante Alternative zur klassischen Bewerbung via Online-Formular oder Email.
  5. Wir investieren einen Teil unserer Einnahmen durch Stellenanzeigen in gezielte Werbemaßnahmen (regional und auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten) für einen individuellen Anzeigenerfolg.
  6. Qualifizierter Traffic kommt zusätzlich über Direct Type-Ins rein: online-marketing-jobs.de
  7. Neben den Jobanzeigen bieten wir eine im Netz einmalige, inhaltlich aufbereitete und recherchierte Studium-/Fortbildungsübersicht für den Bereich Online-Marketing an. Wie bereits vorhin erwähnt, ist die Fort-/Weiterbildung ein wesentlicher Bestandteil des Online-Marketings. Daher haben wir diesen Bereich als weiteren wichtigen Baustein für die Karriere im Online-Marketing integriert.

Eure Suchfunktion lädt ja ziemlich schnell…

Benjamin Hummel: Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut unseren Usern ein unvergessliches Surferlebnis auf Online-Marketing-Jobs.de zu bescheren. Hierzu gehören natürlich schnelle Suchergebnisse, egal wo sich der User gerade mit seinem Endgerät befindet.

Welche Segmente im Online-Marketing sind denn gerade besonders gefragt bei Bewerbern? Und welche nachgefragt bei den Arbeitgebern?

Benjamin Hummel: Aktuell besteht eine verstärkte Nachfrage nach Content-Marketing & Social Media Jobs. Obwohl beides definitiv keine neuen Disziplinen sind, gibt es einen erkennbaren Trend dahin, dass diese Aufgaben nun nicht mehr vom Allrounder „Online-Marketing-Manager/in“ verantwortet werden, sondern von Experten in einem Vollzeit-Job. Die Wichtigkeit dieser Bereiche ist mittlerweile bei den meisten Unternehmen angekommen.

Wie kann ein Jobsuchender herausfinden, ob ein Arbeitgeber hält, was er verspricht? Gerade die Marketingbranche ist ja gewisser Weise „bewandert“ im Beschönigen von Tatsachen.

OM Arbeitsmarkt Beschönigungstendenzen

Vorsicht: Beschönigungstendenzen! Inbesondere im Marketing lohnt es sich, zusätzliche Meinungen über Arbeitgeber einzuholen. Zum Beispiel auf einschlägigen Veranstaltungen.

Benjamin Hummel: Hier empfehle ich immer als erstes, sich die Social-Media-Profile des Unternehmens in Ruhe anzusehen. Häufig kann man hier schon einen guten ersten Eindruck über die Aktivitäten des Unternehmens bekommen. Zusätzlich kann man sich z.B. bei kununu die Bewertungen von anderen Mitarbeitern des Unternehmens durchlesen. Hier ist ein besonderes Feingefühl bei der individuellen Beurteilung der Bewertungen gefragt. Bewertungen können gefaked sein oder durch Absprachen unter unzufriedenen Kollegen absichtlich ins Über-Negative abdriften.

Am besten ist es, sich direkt mit einem Mitarbeiter des Unternehmens zu unterhalten. Die Informationen aus einem solchen Gespräch sind die wertvollsten. Auf Online-Marketing-Jobs.de haben wir daher auch den Bereich „Events“ ins Leben gerufen. Hier haben wir alle einschlägigen Online-Marketing-Veranstaltungen in DACH gelistet, bei denen das Networking einen großen Stellenwert hat. Auf solchen Veranstaltungen kann man sich optimal mit seiner „Wunschperson“ verabreden und sich in lockerer Atmosphäre austauschen.

Konzern, Agentur, Startup: Könnt ihr empfehlen, wann man sich in welche Richtung orientieren sollte?

Benjamin Hummel: Das ist ebenfalls sehr stark von den indidivuellen Vorlieben abhängig. Für einen Job im Konzern sprechen insbesondere geregelte Arbeitszeiten, Betriebsrenten sowie Jobsicherheit. Dafür muss man dann i.d.R. lange sowie komplizierte Kommunikations- und Entscheidungswege, sowie stark ausgeprägte Hierarchien in Kauf nehmen.

Das Agentur-Business ist vor allem für solche Marketer geeignet, die besonders belastbar sind und die Überstunden und toughen Deadlines mit einem Lächeln begegnen. Agentur-Jobs bieten sich vor allem für Job-Einsteiger an, da man hier in sehr kurzer Zeit Einblicke in die verschiedenste Online-Marketing-Bereiche bekommt und viele Kontakte knüpfen kann.

Das Startup ist vor allem für „Macher“ interessant. Hier gibt es keine oder wenig Hierarchien. Eigene Anstrengungen zeigen i.d.R. sofortige und direkte Erfolge. Startup-Jobs locken meist Jobanfänger an, da die Gehälter – sofern keine Investoren an Bord sind- meist relativ gering sind. Interessant sind hier Umsatzbeteiligungen, sofern man einen direkten Einfluss auf die Ergebnisse hat.

Für viele „Webworker“ vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht irgendein Headhunter attraktivere Jobalternativen verspricht. Schürt dieser „Abwerbe-Terror“ nicht auch Unzufriedenheiten, die sonst vielleicht gar nicht aufkeimen würden?

Benjamin Hummel: Auch das ist wieder sehr unterschiedlich von Person zu Person. Während manche nur darauf warten, wöchentlich ein noch besseres Angebot reinzubekommen, wird es andere wiederum einfach nur nerven – zumal die Angebote häufig thematisch oder regional gar nicht passen. Im schnelllebigen Online-Business ist es schwer, mit etwas zufrieden zu sein – es geht nämlich immer noch mehr und immer noch ein bisschen besser. Da liegt es dann an einem selbst die eigenen erreichbaren Ziele und die damit verbundene Zufriedenheit für sich selbst zu definieren.

„Muss nur noch kurz die Mails checken“ – der Song trifft wohl den Zeitgeist. Muss der moderne Berufstätigte rund um die Uhr erreichbar sein und immer schnell reagieren? Wird das von guten Arbeitgebern erwartet oder setzt man sich da selbst am meisten unter Druck?

Benjamin Hummel: Rund um die Uhr erreichbar zu sein bzw. das von den Mitarbeitern zu erwarten, hat meiner Meinung nach weder etwas mit „modern“ noch etwas mit „guten Arbeitgebern“ zu tun. Eine dringend notwendige Erreichbarkeit ist im Einzelfall sehr von der jeweiligen Position bzw. von der jeweiligen Situation abhängig.

Arbeitsmarkt Mails checken

Wer mehrmals täglich den Briefkasten checkt, gilt normalerweise schon als verhaltensauffällig bis zwanghaft. Nicht so im Online-Business. Benjamin Hummel macht deutlich: „Eine Begleiterscheinung der Arbeit im Online-Business ist, dass sie wohl niemals ausgehen wird.“

Ich denke aber, dass sich ein Großteil der Fachkräfte im Online-Marketing den Druck der ständigen Erreichbarkeit selbst auferlegt. Dass sich das digitale Business von jedem Ort dieser Welt aus via Internet steuern lässt, begünstigt diesen Druck natürlich. So kann es schon mal passieren, dass nicht nur die Geschäfts-Email liegend aus der Hängematte im Karibik-Urlaub geschrieben wird, sondern auch gleichzeitig die KPIs der aktuellen SEA-Kampagne eines Kunden gecheckt und Budgets für besonders performante Kampagnen im Urlaub nachgeschoben werden. Die Entscheidung eine Email nach 20 Uhr zu beantworten oder nach Feierabend ein Telefonat auf dem Geschäftshandy entgegenzunehmen trifft letztendlich jeder selbst. Ernsthafte Konsequenzen bei Nichtannahme eines geschäftlichen Telefonats in den Abendstunden sind ohnehin nicht für den Arbeitnehmer zu erwarten.

Eine Begleiterscheinung der Arbeit im Online-Business ist, dass sie wohl niemals ausgehen wird. Mit dieser Gewissheit und der Einsicht, dass wir alle im Job zu 100% ersetzbar sind, fällt es zunehmend leichter, das Geschäftshandy nach 20 Uhr auch mal in den Offline-Modus zu versetzen und sich den Dingen zu widmen, die es neben der Arbeit noch so gibt. Das kann Frau, Familie, Hund, Hamster oder auch der Gang in die Kneipe sein, um sich dort mit den Kollegen auf ein Bier zu treffen und über die Arbeit zu sprechen.

Ich kenne einige Kollegen, die verstärkt die Sinnfrage stellen und längst nicht alles vermarkten würden. Ist das nur eine Blase oder sollten mehr Arbeitgeber dem gerecht werden und auf nachhaltige und ethische Produkte, Dienstleistungen und Kundenstrukturen setzen?

Benjamin Hummel: Ein solch ethisch nachhaltiger Ansatz ist durchaus wünschens- und lobenswert – in der Praxis aber leider immer noch viel zu selten anzutreffen. Aus Unternehmenssicht spielen häufig monetäre Ziele den ethischen eine übergeordnete Rolle. Die Hemmschwelle bezüglich der Sinnfrage ist von Fachkraft zu Fachkraft ebenfalls unterschiedlich ausgeprägt und wird durch monetäre Anreize meist schnell überwunden.

So lange es diese Angebote (Jobs) und die zugehörige Nachfrage (Mitarbeiter) geben wird, wird es leider auch weiterhin Produkte und/oder Dienstleistungen geben, die weder ethisch korrekt noch nachhaltig sind. Auch der Verbraucher hat bei diesen Konstellationen meist nur bedingt Einfluss, da es in der Regel Produkte bzw. Dienstleistungen sind, die mit der Not oder der Unwissenheit der Bedürftigen spielen (z.B. Kredite ohne Schufa für bereits Verschuldete). Hier wäre eine externe und unabhängige Prüfstelle sinnvoll, die Ethiksiegel nach vorher fest definierten Kriterien an Unternehmen vergibt und mit denen diese dann – z.B. in Ihren Stellenausschreibungen – werben können. So könnte man langfristig ein Bewusstsein der Fachkräfte für ethisch fragwürdige Produkte und Dienstleistungen schaffen und beide Parteien zum Umdenken bewegen.

Hand aufs Herz, laufen ein Großteil der exklusiven Stellenvergaben nicht über Vitamin B?

Benjamin Hummel: Ein klares „Ja“. Sobald man sich ein stabiles Netzwerk aus erfahrenen Online-Marketern über die Jahre hinweg aufgebaut hat, wird es zunehmend einfacher seinen Wunschjob aufgrund von Empfehlungen aus dem eigenen Netzwerk zu besetzen. Vorausgesetzt natürlich, man pflegt eine nachhaltige und professionelle Arbeitsweise und ist fachlich auf einem aktuellen Stand – und das nicht nur in der Theorie.

Die zu besetzenden Stellen werden – unabhängig des Vitam B’s – insbesondere aus Reichweite- und Reputationsgründen auf den einschlägigen Jobportalen eingestellt. Man möchte in aller Regel möglichst viele qualifizierte und passende Fachkräfte ansprechen – sofern es der Bewerbungsprozess in zeitlicher, personeller und finanzieller Hinsicht zulässt. Eine Empfehlung über Vitamin B ist da natürlich ein klarer „Bewerbungs-Boost“ und kann die Türen zum gewünschten Unternehmen schnell(er) und einfach(er) öffnen.

Im Silicon Valley scheint es ja nicht nur Google und Facebook zu geben, die regelmäßig neue „disruptive technologies“ gebären. Wann machen Roboter unsere Jobs?

Benjamin Hummel: Nehmen wir als Beispiel aus dem Silicon Valley einmal Uber. Nach nur 5 Jahren ist das Unternehmen bereits mit knapp 50 Mrd. US$ bewertet worden. Uber hat erst Anfang diesen Jahres über 40 hochspezialisierte Roboter-Wissenschaftler abgeworben um den Bereich „selbstfahrende Autos“ weiter voranzutreiben. Nach aktuellem Stand wird es aber vermutlich noch einige Jahre dauern, bis wir einen Teil unserer bisherigen Tätigkeiten vertrauensvoll an die Platinen der Roboter abgeben können. Ich gehe allerdings davon aus, dass auch in Zukunft menschliches Zutun nicht vollständig ersetzt werden kann. Und wenn es nur darum geht, die Roboter zu bedienen. Ich sehe es allgemein als großes Privileg unserer Generation an, diesen Wandel miterleben und gestalten zu dürfen.

Bis ihr also die Jobsuche für Roboter übernehmt vergeht noch ein Weilchen. Habt ihr abschließende Tipps für den Bewerber von heute? Was gehört zu einer „zeitgemäßen“ Bewerbung?

Benjamin Hummel: Aus meiner Sicht sind zwei Dinge besonders wichtig für Bewerber: 1) Authentizität und 2) Authentizität. Hier bringe ich gerne einen Vergleich aus dem Bereich Search an. Es bringt nichts einen tollen Anzeigentext zu formulieren, der zwar viele Klicks generiert, aber nicht zum Abschluss konvertiert, da der User nicht das vorfindet, was er bei Klick auf die Anzeige versprochen bekommen hat.

Arbeitsmarkt Online Authentizität

Benjamin Hummel bringt es auf den Punkt: Eine Bewerbung sollte vorallem authentisch sein. Ecken und Kanten sind durchaus erlaubt. Früher oder später fallen diese sowieso auf.

Im Klartext heißt das, sich als Bewerber nicht als etwas zu verkaufen was man nicht ist und was man nicht kann, nur um vermeintlich perfekt auf eine Stellenbeschreibung zu passen. Seid ehrlich und überzeugt durch belegbare Fakten, die einen konkreten Mehrwert für das Unternehmen bieten, bei dem ihr euch bewerbt. Das können insbesondere sein: Fort-/Weiterbildungen, Teilnahme an Messen, Konferenzen, erfolgreich abgewickelte Projekte sowie positive Feedbacks von bekannten Kunden oder Influencern.

Noch ein kleiner Tipp zum Abschluss: Besonders gerne gesehen ist im Online-Business eine eigene Webseite oder ein eigener Feed, z.B. in Form eines Blogs oder als Gruppenmoderator eines Fachbereiches. Auch hier gilt: bitte nur erwähnen bzw. besonders hervorheben, wenn es zu der ausgeschriebenen Stelle auch wirklich passt.

Lieber Benjamin, vielen Dank für Rede und Antwort!

Danke an die Fotolia-Fotografen: Robert Kneschke, Thaut Images, Igor Stevanovic, Viktor Cap 2013 und julief514

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